Quereinstieg braucht klare Begleitung

Neun Beiträge statt einer Studie
Der Themenschwerpunkt „Quereinstieg in den Lehrberuf“ in der Ausgabe März/April 2026 wurde von Katharina Resch, Professorin für Bildungswissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich, koordiniert. Die neun Beiträge begleiten den Quereinstieg entlang verschiedener Phasen: vom Entschluss zum Berufswechsel über die berufsbegleitende Ausbildung bis zum Berufseinstieg und zur längerfristigen Professionalisierung. Untersucht werden unter anderem Berufsmotive, Selbstwirksamkeit, Studienerleben, Kompetenzen, Mentoring und die Aufnahme im Kollegium. Die Ergebnisse stammen daher aus unterschiedlichen Studien mit unterschiedlichen Fragestellungen und Stichproben und sollten nicht als Befund einer einzigen großen Untersuchung verstanden werden.
Berufswechsel aus Überzeugung
Eine konkrete Untersuchung stammt von Marion Reindl und Haliemah Mocevic vom Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Salzburg. Für ihre Studie wurden 107 Quereinsteigende aus ganz Österreich befragt. Untersucht wurde, welchen Zusammenhang die Zufriedenheit im früheren Beruf mit den Motiven für den Wechsel in die Schule hat. Die Ergebnisse sprechen gegen die Vorstellung, dass der Lehrberuf vor allem als Ausweg aus einem unbefriedigenden früheren Beruf gewählt wird. Besonders ausgeprägt waren wertebezogene Motive, darunter der Wert der Tätigkeit selbst, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie der Wunsch, sozialer Benachteiligung entgegenzuwirken.
Stärken treffen auf neue Anforderungen
Claudia Schneider und Sabine Zenz greifen in einem weiteren Beitrag mehrere Forschungsarbeiten auf und ordnen deren Ergebnisse ein. Schneider ist Erziehungswissenschafterin an der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland und forscht unter anderem zu Zufriedenheit und Belastungen im Lehrberuf. Zenz ist Erziehungswissenschafterin und leitet an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich ein auf den Quereinstieg spezialisiertes Zentrum. Ihr gemeinsamer Beitrag ist damit keine einzelne neue Studie, sondern eine Zusammenschau verschiedener empirischer Befunde.
Eine zentrale Grundlage ist die Längsschnittstudie QUERPÄD der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich. Dabei wurden 82 Quereinsteigende über zwei Jahre zu drei Zeitpunkten befragt. Die Teilnehmenden schätzten ihre fachlichen und kommunikativen Kompetenzen hoch ein. Unsicherheiten zeigten sich dagegen stärker bei Klassenführung, Differenzierung und methodischer Vielfalt. Mehr als 80 Prozent gaben an, meist zuversichtlich zu sein, auch schwierige Situationen im Unterricht bewältigen zu können. Ergänzt werden diese Ergebnisse durch eine qualitative Untersuchung von Elisabeth Rath mit zehn Interviews. Auch dort zeigen sich hohe Lernbereitschaft und Motivation, zugleich aber ein deutlicher Bedarf an Unterstützung beim Aufbau pädagogischer Routinen.
Begleitung wird zum Schlüsselfaktor
Gerade für Schulen ist dieser Befund relevant. Schneider und Zenz kommen zu dem Schluss, dass der Quereinstieg nicht nur eine verkürzte Qualifizierung, sondern einen strukturierten Professionalisierungsprozess benötigt. Empfohlen werden verbindliches Mentoring, kollegiale Unterrichtsbeobachtungen, regelmäßiges Feedback sowie Möglichkeiten zur Reflexion der eigenen Unterrichtspraxis. In der QUERPÄD Studie zeigen sich Zusammenhänge zwischen wahrgenommenen Unterstützungsangeboten sowie Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit. Fehlende Kommunikation, unklare Rollen und mangelnde schulische Unterstützung können dagegen die berufliche Entwicklung belasten. Für die Autorinnen sollte der Quereinstieg deshalb dauerhaft als eigener Qualifikationsweg mit klaren Qualitätsstandards etabliert werden und nicht lediglich als kurzfristige Antwort auf Personalmangel dienen.
Akzeptanz im Konferenzzimmer mittlerweile größer als Ablehnung
Wie Quereinsteigende im Kollegium aufgenommen werden, untersuchten Katharina Resch und Hannah Ladendorfer 2025 in Oberösterreich. Anders als in der APA Meldung verkürzt dargestellt, wurden nicht 17 Quereinsteigende interviewt. An der qualitativen Studie nahmen insgesamt 17 Personen teil, davon 13 Quereinsteigende und vier regulär ausgebildete Lehrpersonen aus unterschiedlichen Schularten. Die Mehrheit der Kollegiumsmitglieder wurde als wohlwollend erlebt und fast alle befragten Quereinsteigenden berichteten auch von aktiver Unterstützung. Gleichzeitig kamen Skepsis, Abwertung und Widerstand durchaus vor, vor allem im ersten Dienstjahr und meist bei einzelnen Personen im Kollegium. Die Forschenden sehen erfolgreiche Integration deshalb weniger als reine Frage der individuellen Eignung, sondern wesentlich auch als Frage der Schulkultur und der professionellen Unterstützung am Standort.
Volksschule bleibt vorerst Pilot
Politisch soll der Quereinstieg weiter an Bedeutung gewinnen. Für Volksschulen besteht derzeit allerdings noch kein regulärer Quereinstieg nach dem Modell der Sekundarstufe. Seit dem Schuljahr 2025/26 läuft an ausgewählten Wiener Volksschulen ein Pilotprojekt mit Teach for Austria. Auch hier zeigt sich damit dieselbe zentrale Frage wie in den Forschungsbeiträgen: Nicht allein die Gewinnung zusätzlicher Lehrpersonen entscheidet über den Erfolg des Quereinstiegs, sondern die Qualität ihrer Ausbildung, Begleitung und Integration in den Schulalltag.
Weiterführende Informationen zu „Quereinstieg in den Lehrberuf"