Sitzenbleiben nimmt weiter zu

Österreich gegen den OECD-Trend
Österreich gehört im internationalen Vergleich zu jenen Ländern, in denen Klassenwiederholungen besonders häufig vorkommen. Während der Anteil im OECD-Schnitt in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, zeigt die Entwicklung hierzulande in die andere Richtung: 2012 hatten noch zwölf Prozent der Jugendlichen zumindest einmal eine Klasse wiederholt, 2025 waren es bereits 18 Prozent.
Viele Wiederholungen schon in der Volksschule
Auffällig ist, dass Klassenwiederholungen keineswegs erst in höheren Schulstufen auftreten. Bereits in der Volksschule haben laut PISA neun Prozent der befragten 15-Jährigen zumindest ein Schuljahr wiederholt. Ebenso hoch ist der Anteil in Mittelschulen und AHS-Unterstufen. In der AHS-Oberstufe sowie in berufsbildenden mittleren und höheren Schulen sind Klassenwiederholungen mit vier Prozent dagegen deutlich seltener.
An sogenannten Brennpunktschulen ist der Anteil besonders hoch: Dort haben 36 Prozent der Jugendlichen zumindest einmal eine Klasse wiederholt. Dass eine Schulstufe gleich zweimal wiederholt und damit insgesamt dreimal besucht wird, kommt hingegen nur sehr selten vor.
Soziale Herkunft spielt große Rolle
Deutliche Unterschiede zeigen sich nach dem sozialen Hintergrund. Unter Schülerinnen und Schülern, deren Eltern wenig Geld und eine geringe formale Bildung haben, liegt der Anteil der Repetentinnen und Repetenten bei 28 Prozent. Bei Jugendlichen aus zugewanderten Familien sind es 30 Prozent. Deutlich seltener wiederholen Jugendliche aus wohlhabenderen Akademikerfamilien, Schülerinnen und Schüler an Privatschulen sowie Jugendliche in ländlichen Regionen eine Klasse. Hier liegt der Anteil jeweils bei ungefähr zehn Prozent.
Nach Angaben der OECD müssen Schülerinnen und Schüler mit schlechteren Lernvoraussetzungen zudem häufiger eine Klasse wiederholen, selbst wenn ihre Leistungen bei PISA ähnlich gut sind wie jene von Jugendlichen aus finanziell besser gestellten und formal höher gebildeten Familien.
Österreich gegen internationalen Trend
Während Klassenwiederholungen im OECD-Schnitt seltener geworden sind, ist der Anteil in Österreich seit 2012 von zwölf auf 18 Prozent gestiegen. Im OECD-Schnitt sank er im selben Zeitraum von 14 auf knapp elf Prozent.
Deutlich niedrigere Werte weisen einige der bei PISA besonders erfolgreichen Bildungssysteme auf. In Estland und Irland haben weniger als fünf Prozent der Jugendlichen eine Klasse wiederholt, in Südkorea sind es knapp zwei Prozent. In Japan ist das klassische Sitzenbleiben nicht vorgesehen. Statt zusätzlicher Schuljahre setzen diese Länder stärker auf individuelle Förderung und Unterstützung.
Kritik an Klassenwiederholungen
OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher kritisiert Klassenwiederholungen seit Jahren. Sie verursachten zusätzliche Kosten für das Bildungssystem, ohne Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf automatisch beim Aufholen zu helfen. Gleichzeitig könnten Wiederholungen stigmatisierend und demotivierend wirken und damit auch das Risiko eines späteren Schulabbruchs erhöhen.
Die aktuellen Zahlen werfen damit auch für Österreich die Frage auf, wie Schülerinnen und Schüler mit Lernproblemen möglichst früh unterstützt werden können. Der internationale Vergleich zeigt jedenfalls, dass erfolgreiche Schulsysteme deutlich seltener auf das Wiederholen ganzer Schuljahre setzen.