European EdTech Alliance: Vereinigung von 1500 EdTech Start-ups in Europa

Um Bildungsinnovatoren und Educational Technology Unternehmen in Europa zu vernetzen, wurde am 8. Juni 2021 im Rahmen einer Online-Auftaktveranstaltung die Europäische EdTech-Alliance ins Leben gerufen. Das Bündnis vertritt mehr als 1500 EdTech Start-ups sowie Unternehmen aus ganz Europa. Ziel ist es, eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Innovation im Bildungswesen in Europa zu fördern.

Volksschüler beim Arbeiten an den Laptops
Die Europäische EdTech-Alliance will Barrieren für EdTech-Startups senken

Svenia Busson, Mitbegründerin der Europäischen EdTech-Alliance und Vorstandsmitglied von EdTech Frankreich möchte mit diesem Bündnis Best Practices, Erfahrungen und vor allem auch Daten aus ganz Europa sammeln, um auf die Bedeutung und die Wirksamkeit von EdTech hinzuweisen. Außerdem soll auch die Sichtbarkeit europäischer EdTech-Lösungen auf dem globalen Markt verbessert werden.

"Building a Start-up is like a marathon - building an EdTech Start-up ist like an ironman" 

Marie Mérouze, EdTech Gründerin

Der Markt für EdTech ist stark im Steigen

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung gab Maria Spies (Mitbegründerin des Marktforschungsunternehmens HolonIQ) Einblick in die Entwicklung europäischer EdTech Märkte im weltweiten Vergleich und zeigte Trends auf. Der Markt für Bildungstechnologien sei demnach riesig und stark im Steigen. Im Jahr 2025 erwartet sie ein Größenwachstum von 7,3 Trillionen US-Dollar - im Vergleich zum Jahr 2018 mit 5,9 Trillionen US-Dollar. Der K12-Bereich, also der Bildungsbereich vom Kindergarten bis zum 12. Schuljahr bleibt dabei relativ stabil, wohingegen für den Bereich "höhere Bildung" und "lebenslanges Lernen" ein großes Wachstum prognostiziert wird. 

Was die Trends der weltweiten Ausgaben für Bildungstechnologien betrifft, ist Spies davon überzeugt, dass diese ebenso enorm im Steigen sind und die künftigen Ausgaben für digitale Technologien für den Bildungsbereich weltweit im Jahr 2025 auf 404 Billionen US-Dollar geschätzt werden. Standen im Jahr 2020/21 eher die Ausgaben für digitale Infrastruktur (LMS, Cloudlösungen, Security-Technologien, Datenschutz-Lösungen,..) im Vordergrund, werden im Jahr 2022/23 vermehrt B2C-Anbieter nachgefragt werden, da SchülerInnen und Eltern Lernunterstützungs-Tools fordern bzw. Fortbildungslösungen gefragt sind.

Künstliche Intelligenz, Personalisierung, Social Media, Game Based Learning, Big Data oder Cloudlösungen sind nur einige Schlagwörter, die für Technologieanbieter im Jahr 2025 an Bedeutung gewinnen werden.

Spies sieht eine Bewegung Richtung "D2C (Direct to Consumer)" Modelle, also Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen und Privatpersonen wie z.B. Lernende oder Eltern. Auch B2B Modelle sind im Vormarsch, weil Regierungen, Schulen, Universitäten oder andere Institutionen die Notwendigkeit der Digitalisierung fordern, so Spies.

2020 war ein Jahr der großen Investitionen in EdTech rund um den Globus, wobei China, USA und Indien hier die Vorreiter sind, dicht gefolgt von Europa. Dies wird auch 2021 prognostiziert, Spies bezeichnete diese Entwicklung als die "neue Normalität", was fantastisch sei, aber mit Blick auf die gesamten Ausgaben für EdTech immer noch eher gering.

Spies betonte auch, dass nun ein Umdenken (nicht nur in Europa) passiere, und Regierungen nun ihre bisherige Unterstützungsstrategie für den Bildungsbereich neu durchdenken - in dem Sinne dass sie in ihrem Verständnis nicht nur rein technische Infrastrukturdienstleister sind sondern vermehrt darüber nachdenken, wie die K12 Bildung bestmöglich unterstützt werden kann. Dies spiegelt sich auch in der gestiegenen Bereitstellung von Geldmitteln für diesen Bereich wieder.

Es werden riesige Summen dafür investiert, damit digitales Lernen nicht nur in der Schule sondern auch zuhause funktionieren kann. So investieren beispielsweise Malaysia und die Philippinen in entsprechendes Bildungsfernsehen für Kinder. Russland investiert 242 Mio US-Dollar in Tablets für Lehrkräfte, Ausstattung der Schulen mit PCs und bezuschusst Content-Produzenten. Das Vereinige Königreich setzt stark auf Google und Microsoft Lernplattformen für Schulen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Neben dem Investment in Technologie wird auch vermehrt in LehrerInnenfortbildung investiert.

Prognosen und Trends

David Guérin (Leiter von Brighteye Ventures​​​​​​​) gab einen Überblick über den Europäischen EdTech Funding Report 2021​​​​​​​. Demnach gab es in der Zeitspanne von 2014 bis 2020 ein 10faches Wachstum an Investitionen in EdTech Unternehmen in Europa, dieser Trend werde sich auch noch weiter fortsetzen, so Guérin. Außerdem habe die Pandemie die K12 Bildung und damit verbunden die Notwendigkeit an Investitionen verstärkt ins Rampenlicht gerückt. Guérin prognostiziert weiters vier wesentliche Trends für 2021:

  • Entbündelung der Hochschulbildung
  • Learning + Productivity
  • Distance Learning
  • Community Learning

Unter "Entbündelung der Hochschulbildung" versteht Guérin die Tatsache, dass die Universität nicht mehr zwingend nötig sei, um ins Arbeitsleben einzusteigen. "Wir sehen vermehrt andere Lösungen wie etwa Boot-Camps (z.B. "ironhack", "econoclass, multiverse",...) oder ähnliche Möglichkeiten, die es SchülerInnen erlauben, sozusagen an den Universitäten vorbei ihre Ausbildung zu machen", so Guérin.

Weiters schwappt eine Welle an EdTech-Firmen über uns herein, die neuen Formen des Lernens zum Durchbruch verhelfen und das Lern-Erlebnis verbessern. "Wir nehmen an, dass es eine stärkere Verschiebung weg von dort gibt, wo Menschen hinkommen um sich Inhalte zu holen und die Community bloß ein Add-on ist - hin zu Formen, wo die Community fester Bestandteil des Lernens ist, um den Lernprozess beschleunigen zu können", so Guérin.

3 EdTech-Gründer im Gespräch

Anschließend diskutierten 3 EdTech-Gründer - Marie Mérouze (Marbotic, FR), Manjit Sareen (Natterhub, SE) sowie Martin Sjöstrand (Lexplore, GB) im Panel über ihre Erfahrungen mit dem Wachstum und der Skalierung ihrer Unternehmen in Europa. Was als wesentlich hervorgehoben wurde, ist der multilinguale Aspekt bzw. das Anbieten der EdTech Produkte in mehreren Sprachen sowie die Forschungsarbeit beispielsweise in Zusammenarbeit mit Universitäten. Außerdem war man sich darüber einig, dass man sich vor Konkurrenz nicht fürchten brauche, ganz im Gegenteil: es ist genug Platz für alle da und gemeinsam sei man stärker. ​​​​​​​

Die Europäische EdTech-Allianz​​​​​​​ will die Schaffung einer stärker vernetzten Gemeinschaft erreichen, um Barrieren für EdTech-Startups zu senken. "Unser Ziel ist es, zu einem starken, offenen und effizienten Markt für Bildungstechnologie beizutragen, der eine breitere Nutzung der Bildungslösungen sowie eine engere Zusammenarbeit europäischer Innovationen ermöglicht. Wir sind zuversichtlich, dass dies auch das Wachstum der europäischen Bildungsinnovationen fördern und dazu beitragen wird, Talente und Finanzmittel in den Sektor zu locken, was zu einer höheren Qualität und Erschwinglichkeit von Lerninstrumenten führen wird", so die Gründerin Svenia Busson.