Viel Stress, viele Überstunden: Schuldirektionen oft überlastet

In einer Online-Umfrage der Uni Linz schildern 2.200 Direktorinnen und Direktoren, dass sie mit ihrem Job zwar sehr zufrieden sind, klagen aber auch über hohe Belastung, Personalmangel und überbordende Bürokratie. Für die eigentlichen Leitungsaufgaben bleibe kaum Zeit. 

Hohe Belastung in der Schule

Schulleitung verliert Strahlkraft

Mehr Aufgaben, hohe Belastung, großer Stress: Rund 2.200 Direktorinnen und Direktoren haben bei der Online-Umfrage für den “Schulleitungs-Barometer” 2024 der Uni Linz teilgenommen - das entspricht etwa der Hälfte aller Direktionen. Und die Ergebnisse erklären, warum die Stelle als Schulleitung heute weniger begehrt ist als früher. 

Nicht kompensierte Mehrarbeit

Über 90 Prozent berichten, dass ihr Aufgabenbereich in den vergangenen fünf Jahren größer geworden ist. Ein großer Teil ist durch den Job in seiner aktuellen Form überlastet, die gesetzlichen Regelungen seien nicht zeitgemäß und reformbedürftig, so Studienleiter Stephan Gerhard Huber. Viele zeitintensive Verwaltungsaufgaben werden als sinnlos erlebt. Fast die Hälte arbeitet in einer typischen Schulwoche 40 bis 50 Stunden, ein Viertel sogar bis zu 60. Zwei Drittel berichten von bis zu 100 nicht kompensierten Überstunden pro Schuljahr, beim Rest sind es noch mehr. Entsprechend fühlt sich ein Drittel im Job ständig überfordert. 

Zustimmung für “Mittleres Management”

Zudem fehle es in allen Schulformen an Sekretariatskräften: Besonders kleine Volks-, Mittel-, Sonder- und Polytechnischen Schulen würden der Studie zufolge doppelt bis fast dreimal so viel Unterstützung benötigen, wie sie bekommen. Große Zustimmung gibt es für das ab Herbst geplante "Mittlere Management" an den Pflichtschulen, bei dem die Schulen Zusatzstunden bekommen, damit Lehrkräfte die Schulleitung etwa bei der Elternarbeit oder der Verbesserung der Schulqualität unterstützen. 87 Prozent der Befragten wünschen sich zusätzlich eine fixe Stellvertretung, die auch Teile ihrer Leitungsaufgaben übernimmt.

Weiterhin hoher Personalmangel

Ein großes Problem bleibe der Lehrkräftemangel: Die Direktionen verwenden viel Zeit für Krisenmanagement und das Stopfen kurzfristiger Personallücken. 45 Prozent der Befragten haben an ihrer Schule aktuell zu wenig Lehrkräfte, vor allem an den Volksschulen, in der Sonderpädagogik, bei ganztägigen Angeboten und in den Fächern Physik, Chemie, Sport und Musik. Kompensiert wird durch Überstunden oder indem nicht ausgebildete oder fachfremde Lehrkräfte in der Klasse stehen, teilweise fallen auch Stunden aus oder Klassen werden zusammengelegt.

Mehr Zeit für eigentliche Tätigkeit

Die Direktionen wünschen sich wieder mehr Zeit für ihre eigentliche Leitungstätigkeit, sagte Mitstudienautor Georg König, etwa indem sie von der Verpflichtung, als Supplierung einzuspringen, befreit werden. Außerdem brauche es flächendeckend Sekretariate auch an den Pflichtschulen und beim geplanten "Mittleren Management" mehr Stunden auch für kleinere Standorte. Für Entlastung sorgen auch bessere digitale Lösungen: Teilweise dürfen Daten nicht digital weitergegeben werden, in anderen Fällen gebe es keine notwendigen Schnittstellen, weshalb die eine Stelle die Daten ausdrucken muss, damit die andere sie händisch wieder in den Computer eingibt.

Minister offen für rechtliche Anpassungen

Bildungsminister Christoph Wiederkehr zeigte Verständnis für die Kritik der Schulleitungen. Deren Aufgaben seien "viel komplexer geworden", sagte er am Rande des Österreichischen Schulleitungskongresses in Wien. Mit der laufenden Entbürokratisierungsoffensive "Freiraum Schule" sollen die Schulen deshalb entlastet werden, gleichzeitig bekämen sie mit dem neuen "Mittleren Management" ab Herbst mehr Unterstützung. "Ich bin aber auch sehr offen, das Schulrecht dahingehend weiterzuentwickeln, dass wir es an die Anforderungen der heutigen Zeit anpassen."

APA Science