Warum die PISA-Leistungen einbrechen

Probleme bei längeren Aufgaben
Ein genauer Blick auf die PISA-Aufgaben zeigt, dass der Rückgang beim Lesen nicht überall gleich stark ausfällt. Besonders groß sind die Verluste bei Aufgaben, die längere Texte enthalten und von den Jugendlichen verlangen, Informationen über mehrere Textstellen hinweg zu behalten, miteinander zu verknüpfen und zu bewerten.
Bei einfacheren Aufgaben, bei denen etwa eine einzelne Information gefunden werden muss, fällt die Verschlechterung deutlich geringer aus. Für die OECD ist das ein Hinweis darauf, dass nicht allein die Lesefähigkeit im engeren Sinn eine Rolle spielt. Auch Konzentration, Ausdauer und die Bereitschaft, sich länger mit anspruchsvollen Inhalten auseinanderzusetzen, dürften an Bedeutung gewonnen haben.
Dafür sprechen auch Daten aus dem Testverlauf. OECD-weit ist seit 2018 der Anteil jener Jugendlichen gesunken, die Aufgaben korrekt und in angemessenem Tempo bearbeiten. Gleichzeitig ist die Gruppe gewachsen, die sehr schnell antwortet, dabei aber häufig falsch liegt. Gegen Ende der mehrstündigen PISA-Erhebung nimmt die Leistung zudem stärker ab als früher.
Die OECD sieht darin Hinweise auf Veränderungen bei Aufmerksamkeit, Motivation und Durchhaltevermögen. Einen eindeutigen Beweis für eine einzelne Ursache liefern diese Daten allerdings nicht.
Rückgang begann schon vor Corona
Die Corona-Pandemie allein kann den Leistungseinbruch jedenfalls nicht erklären. Der längerfristige Abwärtstrend hatte bereits davor eingesetzt.
Im OECD-Schnitt sank die Lesekompetenz zwischen 2015 und 2025 um 28 PISA-Punkte. Die OECD setzt das mit ungefähr eineinhalb Lernjahren gleich. In Mathematik beträgt der Rückgang 22 Punkte und damit etwas mehr als ein Lernjahr.
Auch Österreich folgt diesem Trend. Hier gingen die Leistungen innerhalb von zehn Jahren beim Lesen um 18 und in Mathematik um 20 Punkte zurück.
Die Pandemie dürfte diese Entwicklung zusätzlich beeinflusst haben. Die OECD verweist aber auf ein Bündel längerfristiger Veränderungen: Jugendliche lesen seltener zum Vergnügen, verbringen mehr Zeit mit digitalen Geräten, fehlen häufiger im Unterricht und erleben teilweise weniger Unterstützung beim Lernen.
Digitale Ablenkung im Klassenzimmer
Dabei geht es nicht einfach um die Frage, ob digitale Geräte im Unterricht verwendet werden. Entscheidend scheint vielmehr zu sein, wie sie eingesetzt werden und ob sie vom Lernen ablenken.
Österreichische Jugendliche verbringen laut PISA an einem gewöhnlichen Schultag durchschnittlich 1,5 Stunden mit digitalen Geräten für Lernaktivitäten in der Schule. Weitere 0,9 Stunden entfallen auf Freizeitaktivitäten mit digitalen Geräten während des Schultages.
28 Prozent der Jugendlichen berichten, dass Schülerinnen und Schüler in den meisten oder allen Naturwissenschaftsstunden durch digitale Geräte abgelenkt werden.
Das lässt sich auch in den Leistungen erkennen: Jugendliche, die von solcher Ablenkung berichten, erreichen in Österreich im Schnitt rund zehn PISA-Punkte weniger. Der Zusammenhang bleibt auch bestehen, wenn Unterschiede beim sozioökonomischen Hintergrund berücksichtigt werden.
Handyverbote allein lösen das Problem allerdings nicht. Die OECD sieht zwar Hinweise darauf, dass Schülerinnen und Schüler an Schulen mit entsprechenden Regeln seltener von digitaler Ablenkung berichten. Entscheidend sei aber auch, ob Regeln tatsächlich eingehalten werden.
KI ist nicht automatisch das Problem
PISA 2025 liefert erstmals auch umfangreiche Daten dazu, wie Jugendliche künstliche Intelligenz beim Lernen einsetzen. In Österreich verwendet bereits rund die Hälfte der 15-Jährigen mindestens einmal pro Woche KI-Chatbots für schulische Zwecke.
37 Prozent nutzen KI zur ersten Recherche, 34 Prozent zum Zusammenfassen von Texten. 31 Prozent lassen sich von KI Texte für schriftliche Aufgaben entwerfen.
Gerade beim letzten Punkt zeigt sich aber ein auffälliger Zusammenhang: International schneiden Jugendliche, die KI nicht zum Entwerfen ihrer schriftlichen Arbeiten einsetzen, im Durchschnitt besser ab als jene, die dies tun.
Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass KI generell zu schlechteren Leistungen führt. Die Ergebnisse zeigen vielmehr ein differenziertes Bild. Jugendliche, die KI regelmäßig zum Lernen verwenden und zugleich in der Schule lernen, KI-generierte Informationen kritisch zu beurteilen, schneiden teilweise besser ab.
Für die OECD liegt deshalb eine zentrale Aufgabe der Schulen darin, KI nicht als Ersatz für eigenes Denken einzusetzen, sondern etwa für Feedback oder personalisierte Übungen heranzuziehen, müsse aber so verwendet werden, dass Schülerinnen und Schüler weiterhin selbst lesen, schreiben, argumentieren und Probleme lösen.
Auch die Einstellung zur Schule verändert sich
Neben Technik und Mediennutzung richtet die OECD den Blick auch auf Motivation und Lernhaltung.
In Österreich geben 67 Prozent der Jugendlichen an, sich zusätzlich anzustrengen, wenn eine Aufgabe schwierig wird. Damit liegt Österreich zwar über dem OECD-Schnitt. Gegenüber PISA 2022 ist dieser Anteil allerdings um mehr als acht Prozentpunkte zurückgegangen.
Gleichzeitig sagen 27 Prozent der österreichischen Jugendlichen, Schule sei für sie Zeitverschwendung.
Solche Angaben erklären keine PISA-Ergebnisse für sich allein. Gemeinsam mit den Beobachtungen zum Bearbeitungsverhalten ergeben sie für die OECD jedoch ein Bild, in dem Motivation, Ausdauer und Aufmerksamkeit stärker in den Mittelpunkt rücken.
Keine einfache Erklärung
Eine einzelne Ursache für den Rückgang bei Lesen und Mathematik findet die OECD nicht. Vielmehr treffen mehrere Entwicklungen aufeinander: veränderte Lese- und Mediengewohnheiten, digitale Ablenkung, Motivation und Ausdauer, soziale und demografische Veränderungen, Unterrichtsbedingungen sowie Nachwirkungen der Pandemie.
Gerade deshalb warnt die Analyse auch vor einfachen Antworten. Weniger Bildschirmzeit allein wird die verlorenen Kompetenzen ebenso wenig zurückbringen wie ein Verbot von KI.
Eine Botschaft zieht sich allerdings durch die Ergebnisse: Jugendliche müssen weiterhin lernen, sich über längere Zeit mit anspruchsvollen Inhalten auseinanderzusetzen, Texte genau zu lesen, Informationen zu verknüpfen und Probleme selbstständig zu lösen. Digitale Werkzeuge können dabei unterstützen – sie können diese Arbeit aber nicht übernehmen.
Quellen:
OECD – PISA 2025 Results (Volume I): Learning in a Changing World
https://www.oecd.org/en/publications/pisa-2025-results-volume-i_73451bc5-en.html
OECD – PISA 2025 Country Note: Austria
https://www.oecd.org/en/publications/pisa-2025-results-volume-i-country-notes_2d4ff9ea-en/austria_c36bc4e3-en.html