Wie Salafismus Jugendliche online erreicht

Bei der Fachtagung "Salafismus - Extremismusprävention im Bildungsbereich" an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz schildert der Islamforscher Rüdiger Lohlker von der Universität Wien, wie die Algorithmen von YouTube und TikTik salafistische Inhalte verbreiten und wer die heimlichen Stars der Szene sind. 

Algorithmen fördern Extreme

Salafismus ist eine strenge Auslegung des Islam, die ihre “Propaganda” über Online-Plattformen wie YouTube und TikTok verbreitet. “Wenn wir uns mit Prävention beschäftigen, müssen wir uns auch mit den Mechanismen dieser Plattformen befassen”, sagt Lohlker. Er zeigt, dass die Algorithmen der Plattformen Inhalte nicht neutral verbreiten, sondern nach Aufmerksamkeit und Interaktion priorisieren. Kurze, emotional aufgeladene Videos werden von den Algorithmen bevorzugt und erreichen dadurch viele junge Menschen.

Von Alltagsfragen zur Abgrenzung

Die Influencer und Influencerinnen des Salafismus liefern niederschwellige Ansprache und einfache Antworten auf komplexe Fragen, so Lohlker. Manchmal gehe es um banale Alltäglichkeiten, ob etwa das Nachziehen der Augenbrauen “halal” oder “haram” sei, manchmal um aktuelle politische Ereignisse wie den Nahostkonflikt. In seiner Drohpädagogik transportiere der Salafismus ein stark vereinfachtes, streng geregeltes Weltbild und damit klare Antworten, was erlaubt und was verboten sei. Ob es sich dabei um eine gefährliche Radikalisierung oder eine “konservative Religionifizierung” handle und welchem Zweck der Salafismus diene, sei die entscheidende Frage, so Lohlker.