Bildungskompass macht Schulleistungen öffentlich

Seit Donnerstag, 8. Oktober, ist der neue Bildungskompass des Bildungsministeriums online. Die Plattform bietet erstmals öffentlich zugängliche Leistungsdaten einzelner Schulstandorte und soll Eltern bei der Schulwahl unterstützen. Für Lehrkräfte und Schulleitungen bedeutet das vor allem mehr Transparenz, aber auch eine stärkere öffentliche Auseinandersetzung mit den Ergebnissen ihrer Schulen.

Kinder in der Volksschule

Schulvergleich ohne klassische Ranglisten

Unter bildungskompass.gv.at können ab sofort Informationen zu österreichischen Schulen abgerufen werden. Zum Start stehen Daten der Volksschulen zur Verfügung. Neben grundlegenden Angaben wie Schülerzahl, Klassenanzahl und durchschnittlicher Klassengröße enthält die Plattform auch Informationen zur Teilnahme am Chancenbonus-Programm.

Besonders relevant ist die Veröffentlichung der Ergebnisse aus der Individuellen Kompetenzmessung PLUS (IKM Plus). Diese überprüft in der Volksschule die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Deutsch und Mathematik. Bisher waren die standortbezogenen Ergebnisse vor allem ein Instrument für die interne Unterrichts- und Schulentwicklung. Nun werden ausgewählte Leistungsdaten auch für die Öffentlichkeit sichtbar.

Ein klassisches Schulranking soll es allerdings nicht geben. Statt absoluter Testergebnisse oder Durchschnittswerte wird angezeigt, ob eine Schule im Vergleich mit anderen Standorten mit ähnlichen sozialen Voraussetzungen im oberen, mittleren oder unteren Drittel liegt. Grundlage sind die Ergebnisse der vergangenen drei Jahre.

Bei diesem sogenannten fairen Vergleich werden unter anderem der Bildungshintergrund und die Einkommenssituation der Eltern sowie sprachliche und migrationsbezogene Merkmale der Schülerschaft berücksichtigt. Damit soll verhindert werden, dass Schulen mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen unmittelbar miteinander verglichen werden.

Mehr Transparenz, aber auch offene Fragen

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) sprach bei der Präsentation in Wien von einer „neuen Ehrlichkeit im Umgang mit Leistungsdaten an Schulen“. Die öffentliche Darstellung solle helfen, subjektive Einschätzungen durch nachvollziehbare Daten zu ergänzen. Schulen, die bisher möglicherweise einen ungerechtfertigt schlechten Ruf hatten, könnten dadurch ihre tatsächlichen Leistungen besser sichtbar machen.

Allerdings bleiben Einschränkungen bestehen. So wird die konkrete sozioökonomische Ausgangslage der miteinander verglichenen Standorte nicht veröffentlicht. Auch auf die ursprünglich angekündigte Darstellung, ob eine Schule besser oder schlechter abschneidet, als aufgrund ihrer Schülerschaft zu erwarten wäre, verzichtet das Ministerium nach Abstimmung mit den Schulpartnern.

Für Lehrkräfte und Schulleitungen stellt sich damit die Frage, wie Eltern die veröffentlichten Ergebnisse interpretieren werden. Die Einteilung in drei Leistungsgruppen ermöglicht zwar eine grobe Orientierung, sagt aber wenig über die pädagogische Arbeit im Detail aus. Ebenso wenig lassen sich daraus unmittelbar Rückschlüsse auf die Unterrichtsqualität einzelner Lehrpersonen ziehen.

Das Ministerium erhofft sich dennoch zusätzliche Impulse für die Schulentwicklung. Weil die Ergebnisse künftig auch öffentlich einsehbar sind, sollen sich Schulen noch intensiver mit ihren Leistungsdaten auseinandersetzen und diese für die Weiterentwicklung von Unterricht und Fördermaßnahmen nutzen.

Schulen gestalten künftig ihre Profile mit

Der Bildungskompass soll schrittweise ausgebaut werden. Ab dem Schuljahr 2027/28 sollen weitere Schulformen hinzukommen. Dann sollen die rund 6.000 österreichischen Schulstandorte auch die Möglichkeit erhalten, ihre Profile selbst mitzugestalten und besondere pädagogische Schwerpunkte, Projekte oder zusätzliche Angebote hervorzuheben.

Bereits vorgesehen sind erweiterte Suchmöglichkeiten, etwa nach Schulform, Standort, Ganztagsbetreuung, Gütesiegeln, Schulklima oder der Wegzeit zu einem bestimmten Schulstandort.

Auch zusätzliche Unterstützungsangebote sollen künftig sichtbarer werden. Schulen, die über das Chancenbonus-Programm zusätzliche Ressourcen erhalten, könnten beispielsweise ausweisen, ob sie damit Schulsozialarbeit anbieten.

Der vollständige Ausbau der Plattform ist für das Schuljahr 2028/29 vorgesehen. Für Schulen eröffnet sich damit neben der Veröffentlichung von Leistungsdaten auch die Möglichkeit, ihr pädagogisches Profil stärker nach außen darzustellen.

Hier ist der neue Bildungskompass abrufbar.