Ein Drittel der Lehrkräfte arbeitet Teilzeit - und es werden mehr

Die Teilzeitquote ist in den vergangenen fünf Jahren weiter gestiegen und ist an Bundesschulen, bei Frauen und im Westen Österreichs besonders hoch. Ein Grund sind die neuen Regeln für Junglehrkräfte, die parallel zum Studium schon in der Klasse stehen. 

Lehrerin steht in der Klasse

Quote zuletzt gestiegen

Von der Deutschlehrerin, die eine Stunde weniger in der Klasse stehen will, bis zum Priester, der einzelne Stunden Religion unterrichtet: Die österreichische Teilzeitquote bei Lehrkräften liegt im internationalen Vergleich hoch - und ist zuletzt weiter gestiegen. In den Pflichtschulen haben laut Statistik des Bildungsministeriums im aktuellen Schuljahr 35 Prozent keine volle Lehrverpflichtung, in den Bundesschulen sogar 38 Prozent. Im Schuljahr 2020/21 waren es noch 31 Prozent an Pflicht- und 32 Prozent an Bundesschulen. Eine volle Lehrverpflichtung umfasst seit dem neuen Dienstrecht ab 2019 je nach Fach und Schultyp 20 bis 24 Wochenstunden plus Vor- und Nachbereitung sowie Korrekturen. Der Rechnungshof (RH) bezeichnet eine Reduktion der Teilzeitquote als Maßnahme gegen den Lehrermangel als “unabdingbar”.

Im Westen besonders viele Teilzeitlehrkräfte

Die höchste Teilzeitquote an den Bundesschulen gibt es in Vorarlberg (47 Prozent), Tirol (43) und Oberösterreich (42), an den Pflichtschulen sind es Vorarlberg (45), Salzburg, Oberösterreich (je 44) und Tirol (42). Am anderen Ende der Skala findet man bei den AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) Kärnten (23), das Burgenland (28) und die Steiermark (33). An den Pflichtschulen ist der Teilzeitanteil am geringsten in Kärnten (20), dem Burgenland (24) und Wien (30).

Berufsschulen mit vielen Vollzeitkräften

Nach Schultypen gibt es die höchsten Teilzeitquoten in den humanberuflichen BMHS und den Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (je 44 Prozent), Gymnasien (41) und Volksschulen (40). In einigen Bundesländern wie Oberösterreich, Tirol, Salzburg oder Vorarlberg arbeitet dort teilweise die Hälfte oder mehr in Teilzeit. In den Berufsschulen ist der Anteil mit nicht einmal einem Fünftel am geringsten.

Lehrerinnen deutlich öfter in Teilzeit

Je nach Geschlecht und Qualifikation zeigen sich deutliche Unterschiede beim Arbeitsausmaß, zeigt eine Analyse des RH aus 2025. Während im Schuljahr 2023/24 an den Bundesschulen rund 43 Prozent und an den Pflichtschulen knapp 38 Prozent der weiblichen Lehrkräfte keine Vollzeitstelle hatten, waren es unter ihren männlichen Kollegen 26 bzw. 22 Prozent. Das Beschäftigungsausmaß von Quereinsteigerinnen und -einsteigern liegt mit 73 Prozent ebenfalls deutlich niedriger als im allgemeinen Durchschnitt (84 Prozent). 

Schutzklausel für Junglehrkräfte

Als einen Grund für den Anstieg der Teilzeitquote nennt das Bildungsressort die neuen Regeln für Junglehrkräfte, die schon mit dem Bachelorabschluss im Klassenzimmer stehen und parallel zum Unterrichten den Master absolvieren. Wegen des Lehrermangels wurden sie in den vergangenen Jahren oft für sehr viele Unterrichtsstunden eingeteilt, seit Herbst 2025 dürfen sie zum Schutz vor Überlastung grundsätzlich nur noch maximal eine halbe Unterrichtsverpflichtung bekommen.

Persönliche und dienstliche Interessen abwägen

Aus dem Büro von Bildungsminister Christoph Wiederkehr hieß es auf APA-Anfrage, man arbeite gemeinsam mit den Bildungsdirektionen an einer besseren Datenlage zum Thema. Bei manchen Formen der Teilzeit, etwa für Eltern nach der Karenz oder Master-Studierende, habe man keine Einflussmöglichkeiten. In allen anderen Fällen würden "die persönlichen mit den dienstlichen Interessen" abgewogen, wobei gerade bei Personalmangel darauf geachtet werde, dass die Unterrichtsstunden jedenfalls abgedeckt sind. Per Erlass sei außerdem eine Empfehlung an die Schulleitungen gegangen, zuerst abzufragen, ob bestehendes Personal Stunden aufstocken möchte, bevor Stellen ausgeschrieben werden. 

Quelle: APA Science