Jelinek, Handke, Zeilinger: Prominente gegen Lateinkürzung

“Beunruhigender Rückbau”
Von zwölf auf acht Stunden soll der Lateinunterricht in den AHS-Oberstufen gekürzt werden und somit Platz schaffen für KI, Medienkompetenz und Demokratiebildung - ein Plan, der auf breiten Widerstand stößt. In einer gemeinsamen Petition warnen knapp 100 Prominente aus Kultur und Wissenschaft vor einer “weiteren Marginalisierung der ‘toten’ Sprachen Latein und Altgriechisch”: Das geplante Stundenausmaß sei "zur seriösen Aneignung des Gegenstands definitiv nicht ausreichend".
Drei Nobelpreisträger:innen
Unterzeichnet haben den Aufruf unter anderen die Nobelpreisträger:innen Elfriede Jelinek, Peter Handke und Anton Zeilinger, aber auch Alt-Bundespräsident Heinz Fischer, Alt-Kanzler Franz Vranitzky oder Genetiker Markus Hengstschläger. “Wir sind auf Grund unserer Ausbildung und unseres Wissens davon überzeugt, dass die humanistische Bildung, die den Blick über Jahrtausende der Geistesgeschichte ermöglicht, einen unverzichtbaren Beitrag zur Heranbildung mündiger, selbst denkender Staatsbürger:innen leistet.” Latein sei kulturelles Erbe und präge das Denken und Handeln unserer Gesellschaft. “Latein und KI sind nicht gegeneinander auszuspielen.”
Literatur wieder ausbauen
Latein müsse als vollwertiges Unterrichtsfach erhalten bleiben und außerdem die Literatur in Lehrplänen und Sprachunterricht wieder ausgebaut werden, wird in der Petition gefordert. Im “Kulturland Österreich" müsse der Literatur “der ihr gebührende Platz in den Lehrplänen wieder eingeräumt werden”.
Wiederkehr sieht Wunsch nach Entrümpelung
Bildungsminister Christoph Wiederkehr sieht sich trotz des Gegenwinds in seinem Plan bestärkt, die Lehrpläne zu durchforsten, bisherige Inhalte zu überprüfen und gegebenenfalls durch neue zu ersetzen: Erst am Dienstag hat er eine große Bildungsumfrage unter Lehrkräften, Eltern, Schülerinnen und Schülern präsentiert, in der sich die Mehrheit für eine “Entrümpelung” aussprach - Latein wurde dabei nicht explizit abgefragt. Man müsse die Schülerinnen und Schüler fit für die Zukunft machen, könne sie aber nicht mit immer mehr Inhalten überfordern, argumentierte Wiederkehr. Er habe hier eine "Schutzfunktion".
Rund 70 AHS betroffen
Von den Kürzungen bei Latein sind laut Bildungsressort geschätzte 20 Prozent der rund 360 AHS-Standorte betroffen, die keine autonomen Stundentafeln nutzen. Grundsätzlich hat laut Ministerium jedes Gymnasium weiter die Möglichkeit, mit drei bis vier Unterrichtsstunden pro Jahrgang eigene Schwerpunkte zu setzen und so etwa weiterhin mehr Lateinstunden anzubieten.