Größte Bildungsumfrage stärkt Wiederkehr bei Reformplänen den Rücken

Starkes Signal für Veränderung
Mit 46.385 Teilnehmenden handelt es sich um die größte Bildungsumfrage Österreichs: Mehr als 19.000 Eltern, ebenso viele Lehrkräfte sowie knapp 7.000 Schülerinnen und Schüler haben ihre Wünsche zum aktuellen Bildungssystem und die Erwartungen an die Schule der Zukunft mitgeteilt. "Diese Befragung zeigt, wie groß das Interesse ist, mitzudenken, mitzugestalten und Veränderung im Bildungssystem zu erreichen", sagte Bildungsminister Christoph Wiederkehr. bei der Präsentation. Die Umfrage wurde online durchgeführt und statistisch gewichtet, entspricht also mit hoher Wahrscheinlichkeit den relevanten Trends in der Grundgesamtheit, so Meinungsforscher Peter Hajek.
Schüler:innen deutlich zufriedener als Erwachsene
Ein zentrales Ergebnis: Schülerinnen und Schüler bewerten ihre Schule deutlich positiver als Eltern und Lehrkräfte das Bildungssystem insgesamt. Auch bei der Frage, ob das Schulsystem ausreichend auf die Zukunft vorbereitet, zeigen sich Unterschiede: Während Schüler:innen im Mittelfeld liegen, äußern Eltern und Lehrkräfte deutlich mehr Skepsis.
Soziale Medien als größte Herausforderung
Über alle Gruppen hinweg wird der Einfluss sozialer Medien als größte Herausforderung für das Lernen, die Konzentration und das Verhalten gesehen – noch vor strukturellen Problemen im System und Ausstattung der Schulen. Unterschiede gab es auf den weiteren Rängen: Eltern bewerten Zuwanderung und Integration als größere Herausforderung, Lehrkräfte besonders häufig die bürokratische Belastung. Lehrkräftemangel und Qualifikation des Lehrpersonals rangieren hingegen sowohl bei Eltern als auch bei Pädagog:innen weit unten auf der Sorgenliste.
Erstaunlich viel Einigkeit bei Zukunftskompetenzen
Ein zentrales Ziel der Befragung war es, herauszufinden, welche Kompetenzen Schule künftig vermitteln soll. Ganz oben bei allen drei Gruppen sind soziale Kompetenzen und kritisches Denken, an letzter Stelle jeweils digitale Kompetenz. Die Schule wird vor allem als Ort sozialer und reflexiver Fähigkeiten gesehen. “Alle drei Gruppen haben ein ähnliches Zielbild, nur unterschiedliche Ideen, wie man da hinkommt”, fasste Studienautor Hajek zusammen.
Lehrpläne entrümpeln: Ja, aber …
Breite Zustimmung gibt es zur Aussage, dass Lehrpläne aktualisiert und bestehende Inhalte reduziert werden sollen, um Platz für neue Themen zu schaffen. Dem stimmen die Schüler:innen mit 83 Prozent zu, Eltern mit 74 und Lehrkräfte mit 71 Prozent. Zudem befürworten alle drei Gruppen, dass es mehr Wahlmöglichkeiten für Schüler:innen sowie mehr Praxisanteile in der Ausbildung von Lehrkräften geben soll. Eigene Fächer für Wirtschafts- und Finanzbildung, Medienkompetenz und Demokratiebildung finden genauso eine mehrheitliche Zustimmung wie die Zusammenfassung von Physik, Chemie und Biologie zu einem Fach Naturwissenschaften.
Reformpläne im März publik
“Ich sehe mich durch die Umfrage bestärkt, auch was die Reduzierung bestehender Fächer betrifft”, sagte Minister Wiederkehr. Die Ergebnisse der Bildungsumfrage fließen in den Plan Zukunft ein, den er Ende März im Detail präsentieren wird. Der Plan soll Reformmaßnahmen vom Kindergarten über die Schulen bis zur Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen enthalten. In den nächsten Wochen finden zudem in ganz Österreich Bürgerinnen- und Bürgerforen statt, um die Reformideen weiter zu diskutieren.