Lehrplanreform bringt Schulbücher unter Zeitdruck

Die geplante Reform der AHS-Oberstufe, die derzeit heftig diskutiert wird, sorgt für Unsicherheit bei Schulbuchverlagen. Ab dem Schuljahr 2027/28 sollen neue Lehrpläne gelten, doch bereits beschlossene Inhalte wackeln auf einmal. Für die Entwicklung neuer Schulbücher bleibt weniger Zeit als üblich. Besonders betroffen sind Fächer, die in der Reform eine stärkere Rolle spielen sollen.

Schulbuchentwicklung braucht lange Vorlaufzeit

In Österreich dauert es in der Regel bis zu zwei Jahre, bis ein neues Schulbuch entwickelt, geprüft und schließlich auf die offizielle Schulbuchliste aufgenommen wird. Erst danach können Schulen die Bücher kostenlos über die Schulbuchaktion bestellen. Für die Lehrwerke, die ab Herbst 2027 in den fünften Klassen der AHS-Oberstufe verwendet werden sollen, läuft dieser Prozess derzeit unter starkem Zeitdruck. Üblicherweise hätten Verlage ihre Bücher bereits im Oktober des Vorjahres beim Bildungsministerium einreichen müssen. Zu diesem Zeitpunkt lagen die endgültigen Lehrpläne allerdings noch nicht vor. Derzeit arbeiten viele Verlage daher mit vorläufigen Entwürfen und stimmen sich eng mit der Schulbuchabteilung des Ministeriums ab. Eine endgültige rechtliche Verordnung der Lehrpläne steht jedoch weiterhin aus.

Neue Inhalte zu Medien, Demokratie und KI gewünscht

Bildungsminister Christoph Wiederkehr möchte im Zuge der Reform Themen wie Medienbildung, Demokratiebildung und Künstliche Intelligenz stärker im Unterricht verankern. Diskutiert wird unter anderem ein eigenes Fach mit dem Titel Medien und Demokratie sowie ein Ausbau des Informatikunterrichts. Gerade in diesen Bereichen ist für die Schulbuchverlage noch vieles offen. Ohne klare Lehrplanvorgaben können Inhalte, Kompetenzstufen und Umfang der Lehrwerke nur schwer festgelegt werden. Branchenvertreter betonen daher, dass eine rasche Entscheidung notwendig sei, um eine rechtzeitige Fertigstellung der Schulbücher zu ermöglichen.

Änderungen bei Sprachen sorgen für zusätzliche Unsicherheit

Parallel zu neuen Schwerpunkten wird auch über Kürzungen bei bestehenden Fächern diskutiert. Betroffen sein könnten etwa Latein im Gymnasium sowie die zweite lebende Fremdsprache im Realgymnasium. Solche Änderungen haben unmittelbare Auswirkungen auf Schulbücher. Weniger Unterrichtsstunden bedeuten andere inhaltliche Schwerpunkte, angepasste Kompetenzniveaus und teilweise völlig neue Lehrwerksstrukturen. Für Verlage ist derzeit schwer abschätzbar, wie umfangreich diese Anpassungen ausfallen müssen.

Übergangslösungen für den Schulstart möglich

Die endgültige Entscheidung über die Aufnahme neuer Schulbücher in die Schulbuchliste fällt üblicherweise bis Ende November. Sollte sich die Lehrplanreform weiter verzögern, könnten Übergangslösungen notwendig werden. Schulen haben die Möglichkeit, einen Teil ihres Schulbuchbudgets für Unterrichtsmittel eigener Wahl zu verwenden. In solchen Fällen können auch Bücher eingesetzt werden, die noch nicht offiziell approbiert sind und später nochmals überarbeitet werden müssen. Solche Lösungen gab es in der Vergangenheit bereits mehrfach.

Kritik aus der Lehrerschaft

Kritik an der aktuellen Situation kommt weiterhin aus Teilen der Lehrerschaft. Vertreter der Professoren Union verweisen darauf, dass Lehrkräfte bereits in den vergangenen Jahren unter wissenschaftlicher Begleitung neue Lehrpläne für die AHS-Oberstufe ausgearbeitet hätten. Nach ihrer Einschätzung sind Themen wie Medienbildung, Demokratiebildung und digitale Kompetenzen darin bereits als übergreifende Inhalte verankert. Zusätzliche Fächer oder Stundenverschiebungen würden daher in bestehende Fächerstrukturen eingreifen und könnten organisatorische Probleme für Schulen verursachen.