Viele Reformen, wenig Zeit: Schulbuchverlage warnen vor Qualitätseinbußen

Der Plan Zukunft von Bildungsminister Wiederkehr sieht große Änderungen im Lehrplan vor. Um Schulbücher für neue und geänderte Fächer zeitgerecht fertigstellen zu können, fordert die Allianz Bildungsmedien mehr Planbarkeit und eine Reform des langen Approbationsverfahrens.

Schulbücher

Lehrpläne laufend aktualisieren

Die Schule und ihre Lehrpläne müssen sich laufend an die aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen anpassen, sagte Bildungsminister Christoph Wiederkehr bei der Präsentation seines “Plan Zukunft”. Das stellt die Schulbuchverlage vor große Herausforderungen, sagt Markus Spielmann. Er ist Präsident der Allianz Bildungsmedien, einem Zusammenschluss von klassischen Schulbuchverlagen und Anbieten digitaler Bildungmedien. Dabei seien die Schulbücher als "heimlicher Lehrplan" ein wesentlicher Hebel bei der Umsetzung von Neuerungen.

Aufnahme in Schulbuchaktion “ausgeschlossen”

Als Beispiel nennt Spielmann die Änderungen an der AHS-Oberstufe ab dem Schuljahr 2027/28: Neu hinzukommen soll das Fach “Medien und Demokratie”, Informatik wird um eine Stunde und den Schwerpunkt KI erweitert, dafür bei Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache zwei Stunden gekürzt. Hier gebe es noch nicht einmal einen Gesetzesbeschluss oder Lehrpläne, die Sonderfrist für die Einreichung von Schulbüchern beim Bildungsministerium läuft aber schon Mitte Mai ab. Die Verlage hätten es zwar bisher immer geschafft, trotz knapper Fristen die nötigen Bildungsmedien zur Verfügung zu stellen. Mit dem aufwendigen Qualitätssicherungssystem, über das Bildungsmedien in die Schulbuchaktion aufgenommen und dann von den Schulen kostenlos bestellt werden können, ist das diesmal laut Spielmann allerdings "ausgeschlossen". 

Zweifel an Dauererneuerung

Auch in den Unterstufen ist für Spielmann "nicht klar, wie wir das umsetzen sollen": Dort sei gerade erst ein neuer Lehrplan eingeführt worden und im Herbst bekommen die vierten Klassen zum ersten Mal die daran angepassten neuen Schulbücher. Wenn die Verlage in der Lage sein sollen, qualitätsvolle Unterrichtsmaterialien rechtzeitig zu anzubieten, müssten die Rahmenbedingungen "frühzeitig, verbindlich und planungssicher" festgelegt werden. 

Aufwendige Approbation

Wiederkehrs Vision, dass Lehrpläne über das Feedback von Lehrkräften, Eltern, Schülerinnen und Schülern laufend angepasst werden, sei eine "schöne Idee", aber in der Praxis schwer umsetzbar. Derzeit würden Schulbücher zwar auch jedes Jahr aktualisiert, das aufwendige Approbationsverfahren stehe allerdings nur alle zehn Jahre an. Soll das System umgestellt werden, müsse man auch die Finanzierung neu aufstellen, hieß es mit Blick auf die geltenden Preisobergrenzen pro Schüler.

Mehr Tempo bei "Schulbuchaktion 2.0"

Jedenfalls mehr Tempo brauche es bei der im Regierungsprogramm angekündigten "Schulbuchaktion 2.0", die eine Gleichstellung analoger, hybrider und digitaler Schulmedien vorsieht. Aktuell gibt es zwei Arten von Genehmigungs- und Finanzierungsverfahren. Beim neu geschaffenen "Marktplatz Lernapps", wo Schulen kostenlos Zusatzmaterialien für den Unterricht abrufen können, braucht die Qualitätsprüfung vier Wochen. Für gedruckte Bildungsmedien dauert sie hingegen bis zu zwei Jahre und ist aus Sicht der Schulbuchverlage kompliziert und aufwendig.

Selbstverpflichtung mit Sanktionen

Spielmann plädierte einmal mehr für eine "komplette Neuausrichtung" der Approbation, bei der für gedruckte und digitale Bildungsmedien dieselben Rahmenbedingungen gelten. Die Allianz schlägt dafür ein System der Selbstverpflichtung vor, in dem Anbieter gewisse vom Ministerium vorgegebene Kriterien einhalten müssen, samt klarer Sanktionsmechanismen. In Schweden und einigen deutschen Bundesländern gebe es dieses System schon seit Jahrzehnten.

APA Science