Lehrplanreform sorgt an AHS für breite Skepsis

Die angekündigten Änderungen an den Lehrplänen der AHS-Oberstufe stoßen in der Schulpraxis auf deutliche Vorbehalte. Vorgesehen sind eine Ausweitung des Informatikunterrichts mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz sowie ein neues Fach im Bereich Medien und Demokratie. Gleichzeitig sollen je nach Schulform Stunden in Latein oder in der zweiten lebenden Fremdsprache reduziert werden. Während die politische Diskussion dazu anhält, richtet sich der Blick in den Schulen vor allem auf konkrete Auswirkungen im Unterrichtsalltag.

Deutliche Mehrheit der AHS-Leitungen skeptisch

Eine Umfrage des Dachverbands der AHS-Direktorinnen und Direktoren unter rund 360 Mitgliedern mit hoher Beteiligung zeigt ein klares Stimmungsbild. Mehr als 90 Prozent der befragten Schulleitungen sprechen sich gegen Kürzungen bei Latein beziehungsweise bei der zweiten lebenden Fremdsprache aus. Aus Sicht vieler Leitungen würden bestehende Schulentwicklungsprozesse dadurch erheblich beeinträchtigt. In den vergangenen Jahren seien an zahlreichen Standorten autonome Profile aufgebaut worden, die nun organisatorisch und inhaltlich unter Druck geraten könnten.

Schulorganisation unter Druck

Die Leitungen verweisen zudem auf konkrete organisatorische Herausforderungen. Unterschiedliche Stundentafeln innerhalb eines Gymnasiums, Anpassungen im Lehrkräfteeinsatz und mögliche Verschiebungen im Kurssystem seien komplex umzusetzen. Besonders in der Oberstufe, wo Wahlpflichtfächer und modulare Systeme etabliert sind, könne eine strukturelle Änderung weitreichende Folgen haben. Auch die Abstimmung mit Schulpartnern müsste vielerorts neu erfolgen.

Belastung für Lehrkräfte und Lernende

Auch aus dem gewerkschaftlichen Umfeld kommt Kritik, die sich vor allem auf die Umsetzung konzentriert. Thematisiert werden der zusätzliche Fortbildungsbedarf für neue Inhalte wie Künstliche Intelligenz sowie die Frage, wie Qualität und Tiefgang in bestehenden Fächern gesichert bleiben können. Für Schülerinnen und Schüler könnte eine Reduktion von Sprachstunden bedeuten, dass das angestrebte Maturaniveau unter veränderten Rahmenbedingungen erreicht werden muss. Das erhöhe den Druck in einer ohnehin anspruchsvollen Oberstufenphase.

Plädoyer für Querschnittslösungen

Mehrere Stimmen aus der Schulpraxis schlagen vor, zentrale Zukunftsthemen wie KI, Medienbildung und Demokratiebildung nicht als eigenständige neue Fächer zu etablieren, sondern als Querschnittsmaterien in bestehende Gegenstände zu integrieren. Dadurch ließen sich neue Kompetenzen fördern, ohne gewachsene Strukturen grundlegend zu verändern.