Wer von den Lateinkürzungen betroffen ist

Nur vier Prozent lernen Latein
Die Ankündigung von Bildungsminister Christoph Wiederkehr, die Lateinstunden in der AHS-Oberstufe zugunsten von KI-Unterricht zu kürzen, sorgt für gemischte Reaktionen: Kritik kommt von der Lehrervertretung und Kunstschaffenden, positive Reaktionen von der Wirtschaft und Schülervertretung. Betroffen ist von den Änderungen allerdings nur ein kleiner Teil der 1,16 Millionen Schülerinnen und Schüler in ganz Österreich, nämlich rund vier Prozent.
Ein Fünftel der Maturant:innen hat Latein
Insgesamt lernten im Schuljahr 2023/24 knapp 51.600 Kinder und Jugendliche Latein, zeigt die Statistik Austria. Den größten Teil davon bildeten Schülerinnen und Schüler der AHS-Oberstufe: Von den knapp 90.000 besuchten 48 Prozent oder 43.124 Personen den Lateinunterricht. In der Unterstufe waren es sieben Prozent oder 8.300 Kinder und Jugendliche. In den Berufbildenden Höheren Schulen (BHS) sind es gerade einmal 95 der insgesamt 135.000 Schülerinnen und Schüler. Somit haben etwa 20 Prozent aller zukünftigen Maturantinnen und Maturanten den Lateinunterricht besucht.
Teils Pflicht-, teils Wahlfach
In den europäischen Ländern wird Latein ganz unterschiedlich behandelt. Zumindest für einen Teil der Schüler verpflichtend ist das Fach in der Oberstufe in der Schweiz, Slowenien, den Niederlanden, Italien, Spanien, Griechenland und Belgien. Rumänische Schulen müssen als einzige schon in der Unterstufe Latein anbieten. In den Balkanstaaten Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Serbien ist Latein in der Allgemeinen Oberstufe grundsätzlich verpflichtend. In Belgien soll Latein künftig mehr werden: Nach einer Lehrplanreform soll der Unterricht in den ersten zwei bis drei Jahren der Unterstufe ab 2028 verpflichtend werden, heißt es in dem Bericht "Key data on teaching languages at school in Europe" der Europäischen Kommission. Keine Latein-Pflicht, sondern eine Wahlmöglichkeit wie in Österreich haben die Schülerinnen und Schüler in Dänemark, Deutschland, Spanien, Luxemburg, Portugal, Slowenien, Liechtenstein und Norwegen. Über das Stundenausmaß in den jeweiligen Ländern liegen keine Daten vor.
Altgriechisch bleibt Ausnahme
In noch weniger Ländern wird Altgriechisch angeboten. Neben Englisch, Französisch und Deutsch sind die am häufigsten gelernten Fremdsprachen an Europas Schulen Spanisch, Italienisch und Russisch, gefolgt von Chinesisch, Latein, Arabisch, Türkisch und Japanisch. Erst dann folgen Altgriechisch und Portugiesisch. Altgriechisch wird in Österreich von rund 600 AHS-Oberstufenschülerinnen und -schülern belegt.
APA Science