Quereinstieg wird stärker von tatsächlichem Personalbedarf gesteuert

Nur wenn die Bildungsdirektion einen Bedarf meldet, wird die Bewerbung für einen Quereinstieg an die Zertifizierungskommission weitergeleitet. Ab 2027 sind Änderungen beim berufsbegleitenden Hochschullehrgang geplant. 

Lehrerin in einer Schulklasse

Tatsächlicher Bedarf als Schlüssel

Der Zugang zum Quereinstieg wird erneut begrenzt: Schon seit 2025 werden nur mehr 500 Plätze pro Jahr zertifiziert und dabei Mangelfächer wie Deutsch, Englisch und Mathematik sowie Sport und Informatik bevorzugt. Ab sofort soll der Quereinstieg noch stärker am tatsächlichen Bedarf der Schulen ausgerichtet werden: Interessierte müssen sich nun vorregistrieren. Erst wenn die Bildungsdirektion einen Bedarf meldet, wird die Bewerbung an die Zertifizierungskommission Quereinstieg (ZKQ) weitergeleitet. Besteht kein Bedarf, kann die Vorregistrierung nicht abgeschlossen werden.

Bedarfsrechner zeigt Chancen

Neu ist eine Gegenüberstellung des Lehrplans des gewünschten Unterrichtsfachs mit den im abgeschlossenen Studium absolvierten Lehrveranstaltungen, also inwieweit man die fachlichen Voraussetzungen für den Quereinstieg erfüllt. Ein Bedarfsrechner zeigt außerdem an, in welchen Fächern bundesweit die Chancen auf eine bedarfsorientierte Zertifizierung besonders gut stehen. In Einzelfällen kann die Bildungsdirektion auch direkt Kontakt mit Interessentinnen und Interessenten aufnehmen, um den individuellen Bedarf zu klären.

Begrenzte Studienzeit und Mindest-ECTS

Ab 2027 soll für den berufsbegleitenden Lehrgang an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ein bundesweit einheitlicher Lehrplan kommen. Gleichzeitig soll man nicht mehr acht, sondern nur noch fünf Jahre Zeit haben, um die pädagogische Ausbildung im Umfang von 90 ECTS (entspricht eineinhalb Jahren Vollzeitstudium) abzuschließen. Künftig soll auch ein Minimum für das erste Unterrichtsjahr vorgegeben werden, laut Aussendung stehen derzeit 16 ECTS im Raum. Der Einstieg in den Schulalltag soll zudem durch eine zusätzliche Onboarding-Woche in den Herbst- oder Semesterferien erleichtert werden. Bildungsminister Christoph Wiederkehr hält auch an seinem Plan für einen Quereinstieg in Volksschulen fest.

Relativ hohe Zufriedenheit

Die Zufriedenheit mit dem Quereinstieg ist grundsätzlich hoch, zeigt eine am Montag vorgestellte Evaluierung der Universität Zürich und der PH St. Gallen und Luzern. Demnach zeigten sich über 90 Prozent der 500 befragten Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger aus dem Jahrgang von 2023/24 zufrieden mit ihrer Arbeit und hatten die Absicht, weiter zu unterrichten. Zwei Drittel unterrichteten an Mittel- und Polytechnischen Schulen, rund ein Fünftel an AHS. Rund 62 Prozent unterrichten zumindest ein Fach, für das sie nicht zertifiziert sind. Verbesserungsbedarf sehen sie bei der fachlichen Vorbereitung, der Unterstützung durch die Mentorinnen und Mentoren und bei Plan- und Vereinbarkeit des Hochschullehrgangs.

Fast zwölf Prozent Quereinsteigende

Der Quereinstieg wurde 2022 als Reaktion auf den Lehrkräftemangel in bestimmten Gegenständen und Regionen geschaffen. Seither wurden 6.693 Zertifizierungen bei insgesamt 12.955 Bewerbungen ausgesprochen. Insgesamt haben seit dem Schuljahr 2022/23 2.365 Quereinsteigende als Lehrkräfte an Schulen begonnen, davon 685 im Schuljahr 2025/26. Damit stellen Quereinsteigende mittlerweile 11,9 Prozent der Neuaufnahmen. „Wir haben den Quereinstieg eingeführt, weil wir Menschen mit wertvoller Berufs- und Lebenserfahrung für die Schule gewinnen wollen. Jetzt schauen wir genau hin, was funktioniert und wo wir nachschärfen müssen", so Wiederkehr. Ziel sei es, dauerhaft Menschen mit unterschiedlichen beruflichen und fachlichen Erfahrungen für den Schuldienst zu gewinnen.