Finanzbildung wird an Österreichs Schulen weiter ausgebaut

Finanzwissen darf nicht vom Elternhaus abhängen
Finanzbildung soll Menschen befähigen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen, finanzielle Risiken einzuschätzen und selbstbestimmte wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen. Dazu gehören Kenntnisse über Sparen, Kredite, Versicherungen, Verträge und verschiedene Möglichkeiten der Geldanlage.
Für Bildungsminister Christoph Wiederkehr spielt dabei die Schule eine entscheidende Rolle. Finanzwissen dürfe nicht davon abhängen, welche Möglichkeiten Eltern hätten, ihren Kindern entsprechende Kenntnisse zu vermitteln. „Eine gute Finanzbildung ist die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes und auch für ein freies Leben“, betonte der Minister.
Von den derzeit 235 laufenden Maßnahmen im Rahmen der Finanzbildungsstrategie entfallen laut Wiederkehr 137 auf den Schulbereich. Erste Angebote setzen bereits im Kindergarten an.
Aktien, ETFs und Bitcoin im Unterricht
Ein Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung der Lehrpläne. Künftig sollen Schülerinnen und Schüler verstärkt mit wirtschaftlichen Fragestellungen aus ihrem Alltag konfrontiert werden. Dazu zählen etwa Mietverträge, Versicherungen und unterschiedliche Formen der Geldanlage.
Auch Aktien, Anleihen, ETFs und Bitcoin sollen im Unterricht behandelt werden. Dabei gehe es insbesondere darum, die jeweiligen Vor- und Nachteile kennenzulernen und finanzielle Entscheidungen besser einschätzen zu können.
Für die AHS-Oberstufe wurden entsprechende Lehrplanänderungen bereits in Begutachtung geschickt. Sie sollen nach den Angaben des Bildungsministers ab dem kommenden Jahr in Kraft treten.
Mehr Fortbildung für Lehrkräfte
Neben den Unterrichtsinhalten soll auch die Qualifizierung der Lehrkräfte gestärkt werden. Ab 2027 will das Bildungsministerium die Fort- und Weiterbildung im Bereich Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherbildung intensivieren.
Geplant sind Kooperationen unter anderem mit der Stiftung für Wirtschaftsbildung sowie weiteren Partnerorganisationen. Ziel ist es, Lehrkräfte besser auf die Vermittlung wirtschaftlicher Inhalte vorzubereiten und Finanzbildung stärker im Schulalltag zu verankern.
Gütesiegel künftig auch für Polytechnische Schulen
Weiter ausgebaut wird auch die Zertifizierung von Schulen mit dem Gütesiegel „Ready4Finance“. Im ersten Durchgang wurden bereits 93 Schulen der Sekundarstufe I für besonderes Engagement in der Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherbildung ausgezeichnet.
Am 3. November 2026 startet der zweite Durchgang. Neben Mittelschulen und AHS-Unterstufen können sich künftig erstmals auch Polytechnische Schulen um die Auszeichnung bewerben.
Wiederkehr begründete die Erweiterung damit, dass Jugendliche nach der Polytechnischen Schule häufig unmittelbar ins Berufsleben eintreten und damit erstmals über ein eigenes Einkommen verfügen. Gerade für sie sei ein fundiertes Finanzwissen von besonderer Bedeutung.
Regionale Netzwerke und messbare Ergebnisse
Als weitere Maßnahme kündigte der Bildungsminister Koordinatorinnen und Koordinatoren für Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherbildung in den Bundesländern an. Diese sollen regionale Netzwerke aufbauen und den Austausch zwischen den beteiligten Einrichtungen fördern.
Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher unterstrich bei der Präsentation zudem die Bedeutung der Messbarkeit. Die Finanzbildungsstrategie soll künftig stärker daran gemessen werden, welche konkreten Ergebnisse ihre Maßnahmen tatsächlich erzielen.
Wiederkehr verwies abschließend auch auf das Interesse der Jugendlichen selbst. Bei Befragungen zu gewünschten zusätzlichen Unterrichtsinhalten stehe Wirtschafts- und Finanzbildung an erster Stelle. Diesem Bedarf wolle man mit den geplanten Maßnahmen verstärkt Rechnung tragen.