Quereinstieg in Lehrerberuf soll leichter werden

Die Regeln für den Quereinstieg in den Lehrerberuf sollen erleichtert werden. Das ist das Ziel einer Dienstrechtsnovelle, die am Mittwoch den Ministerrat passiert hat. Unter anderem wird es einfacher, überhaupt umsteigen zu können.

BM Martin Polaschek
Bildungsminister Martin Polaschek sieht einen Meilenstein

Ein Blick ins Klassenzimmer von heute, ist ein Blick in die Zukunft von morgen.

Werner Kogler , Vizekanzler

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) betonte im Pressefoyer nach der Regierungssitzung, dass man mit Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger dem drohenden Lehrermangel entgegenwirken will. Es ist eine Intervention ins System, die aller Prognose nach auch zu Innovation führen wird.

Für Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) handelt es sich um einen wichtigen Meilenstein, den Quereinstieg zu erleichtern. Der war zwar bisher schon möglich, nun soll es aber einfacher werden, etwa indem die Eingangsvoraussetzungen präzisiert werden. So wird nicht wie bisher ein facheinschlägiges Studium, sondern ein fachverwandtes Studium für eine Anstellung ausreichen. So können etwa Absolventen eines Diplomstudiums Chemie auch in Physik und Mathematik eingesetzt werden - nun jedoch nicht mehr nur im schlechter bezahlten Sondervertrag. War bisher etwa zwar ein Mathematik-Studium geeignet für einen Umstieg, war das bei anderen technischen Studien mit hohem Mathematik-Anteil nicht entsprechend der Fall.

Die erforderliche Berufspraxis nach Studienabschluss wird auf drei Jahre vereinheitlicht. Der Umstieg kommt ohne befristete Verträge und ohne Abschläge im Gehalt aus. Vorgelagert ist neu ein Assessment vor der eigentlichen Bewerbung. Damit soll sichergestellt werden, dass die grundlegende pädagogische Eignung für den Lehrberuf gegeben ist. Dieses Assessment - bestehend aus Online- und Präsenzelementen - wird von einer neu geschaffenen Zertifizierungskommission durchgeführt.

Der Beruf Lehrerin / Lehrer ist ein wunderschöner Beruf, der höchste Anerkennung verdient, sagt BM Martin Polaschek.

Wir haben rund 120.000 Lehrerinnen und Lehrer in Österreich, die täglich in den Klassenzimmern stehen und für die nächsten Generationen durch Bildung Zukunft ermöglichen, den jungen Menschen Chancen eröffnen. Es ist Beruf der deshalb ganz wichtig ist für unsere Gesellschaft und wir deshalb auch schauen, dass wir die bestgeeigneten Menschen in diesen Beruf bringen. Und wir müssen vor allem darauf schauen, dass wir genügend Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung haben.

Wir müssen entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, damit Lehrerinnen und Lehrer gut unterrichten können. Wir müssen schauen, dass wir entsprechend mehr Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung haben. Wir brauchen auch ein wirklich neues Lehrerinnenbild und Lehrerbild der Zukunft. Wir müssen auch vermehrt wieder vor den Vorhang holen, was diese Menschen jeden Tag in den Schulen leisten und wie spannend, wie schön dieser Beruf ist und ihnen auch die ensprechende Achtung entgegen bringen.


Eine weitere Neuerung gibt es in der Novelle bezüglich des Einstiegs in den Lehrerberuf. Um das Ziel einer möglichst geringen Belastung der neu eintretenden Lehrpersonen im ersten Dienstjahr zu verfolgen, sollen diese sich auf die Festigung ihrer Lehrtätigkeit konzentrieren können und daher nur in den ihrer Ausbildung entsprechenden Unterrichtsstunden eingesetzt werden. Nach Möglichkeit sollen sie auch zu keinen zusätzlichen Aufgaben wie Klassenvorstandstätigkeiten herangezogen werden.

Quelle: APA Science

Antrag zu Quereinstieg und Induktionsphase Neu im Wortlaut

Gemeinsamer Bericht des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung des Bundesministers für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, Zahl 2022-0.467.298, betreffend Sommerschule, Quereinstieg und Induktionsphase Neu. Der Ministerrat beschließt im Sinne des Antrages.

Quereinstieg und Induktionsphase Neu

In Österreich werden jedes Jahr etwa 5.500 Lehrpersonen neu in den Schuldienst aufgenommen. In einigen Bundesländern bzw. Regionen und auch in bestimmten Gegenstandsbereichen zeigt sich, dass eine ausreichende Anzahl von voll qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber mitunter nicht gefunden werden kann. Oft führt dies zu befristeten Sonderverträgen mit geringerer Bezahlung. Gleichzeitig ist es unabdingbar, dass sich die Schule als vernetztes System weiter nach außen öffnet und wichtige externe Qualifikationen an den Standorten zulässt.

Das neue Quereinstiegsmodell bietet künftig Personen mit einem fachwissenschaftlichen Grundstudium und mindestens dreijähriger Berufspraxis die Möglichkeit leichter und schneller als Lehrperson im Schulsystem Fuß zu fassen - ohne befristete Verträge und ohne Abschläge im Gehalt, dafür mit einer längerfristigen Perspektive, was mitunter auch weitere Personengruppen für den Beruf motiviert. So wird der Zugang zu einer vollen Anstellung beispielsweise dadurch erleichtert, dass nicht wie bisher ein facheinschlägiges Studium, sondern ein fachverwandtes Studium für eine Anstellung ausreicht. So können etwa Absolventinnen und Absolventen eines Diplomstudiums Chemie auch in Physik und Mathematik eingesetzt werden – nun jedoch nicht mehr nur im Sondervertrag. Der neue Quereinstieg im Rahmen der Änderungen im Dienstrecht adressiert damit das Bedarfsdeckungsziel und die Öffnung des Lehrberufs unter klar definierten Rahmenbedingungen.

Natürlich kommt es dadurch zu keiner Abwertung der Lehramtsausbildung an den Universitäten und den Pädagogischen Hochschulen. Es wird hingegen der Weg in den Lehrberuf einem größeren Kreis von Personen eröffnet, sofern keine voll qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber gefunden werden können. Neu ist dabei auch, die Vorlagerung eines Assessments vor der eigentlichen Bewerbung. Damit kann man sicherstellen, dass die grundlegende pädagogische Eignung für den Lehrberuf gegeben ist. Dieses Assessment - bestehend aus Online- und Präsenzelementen - wird von einer neu geschaffenen Zertifizierungskommission aus Expertinnen und Experten durchgeführt.

Zur Weiterentwicklung der Berufseingangsphase bei Lehrpersonen setzen die vorliegenden Änderungen im Dienstrecht Reformschritte im Rahmen der bisher bestehenden Induktionsphase. Denn aus Befragungen bei Junglehrpersonen geht hervor, dass diese den Berufseinstieg oft als sehr belastend empfinden und gerade in dieser Phase des Berufslebens eine gute Unterstützung auf verschiedenen Ebenen von entscheidender Wichtigkeit sind.

Es gibt weiterhin ein Mentoring in Form von einer Begleitung durch erfahrene und darin besonders qualifizierte Lehrpersonen, jedoch wird dieses vereinfacht und an die Erfordernisse der Praxis angepasst. Alle neuen Lehrpersonen haben zudem unmittelbar vor Dienstantritt Einführungsveranstaltungen an den Pädagogischen Hochschulen – etwa aus den Bereichen Strukturen und Rechtsgrundlagen des Schulwesens und Methoden zur Durchführung und Auswertung von Unterricht – zu absolvieren. Je nach Vorqualifikation dauern diese Veranstaltungen 5 oder 10 Tage. Darüber hinaus werden in der Induktionsphase Vernetzungs- und Beratungsveranstaltungen angeboten.

Um das Ziel einer möglichst geringen Belastung der neu eintretenden Lehrpersonen im ersten Dienstjahr zu verfolgen, sollen diese sich auf die Festigung ihrer Lehrtätigkeit konzentrieren können und daher nur in den ihrer Ausbildung entsprechenden Unterrichtsstunden eingesetzt werden. Nach Möglichkeit sollen sie auch zu keinen zusätzlichen Aufgaben wie Klassenvorstandstätigkeiten herangezogen werden. Sichergestellt wird damit, dass die Motivation erhalten bleibt und eine gute Basis für das Wirken in den kommenden Schuljahren gelegt wird.