AHS: Widerstand gegen Kürzung bei lebenden Fremdsprachen

Die Lehrplanreform in der AHS-Oberstufe sieht Kürzungen bei Latein und den zweiten lebenden Fremdsprachen vor. Dies widerspreche dem “europäischen Grundgedanken der Mehrsprachigkeit”, warnen Expert:innen in einem offenen Brief an Bildungsminister Wiederkehr.

Fremdsprachenunterricht

Kürzung widerspricht “europäischem Grundgedanken”

Ende März will Bildungsminister Christoph Wiederkehr seinen “Plan Zukunft” für das Bildungssystem präsentieren - die bereits vorab durchgesickerten Details stoßen vielerorts auf Widerstand. Nach den Protesten gegen die Kürzungen bei Latein sprechen sich nun mehr als 320 Wissenschaftler:innen, Lehrkräfte und Expert:innen gegen die Einschränkungen bei den zweiten lebenden Fremdsprachen aus: Diese widersprechen dem “europäischen Grundgedanken der Mehrsprachigkeit” und “der Zielvorgabe, dass alle Menschen in Europa zumindest zwei weitere Sprachen abgesehen von ihren Erstsprachen beherrschen sollen”, heißt es in einem offenen Brief an Wiederkehr.

Österreich werde “noch weiter zurückfallen”

Initiiert wurde der Brief von Katrin Schmiderer und Eva Maria Hirzinger-Unterrainer vom Institut für Fachdidaktik an der Universität Innsbruck: Österreich könne es sich "schlichtweg nicht leisten, in der Sprachenbildung unserer Schüler:innen noch weiter zurückzufallen." Österreich zähle neben Ungarn und Irland bereits zu den Schlusslichtern beim schulischen Fremdsprachenlernen: In der Sekundarstufe I würden nur 7,6 Prozent zwei oder mehr lebende Fremdsprachen lernen, im EU-Durchschnitt sind es 59,9 Prozent. In einer "zunehmend globalisierten und pluralen Welt" komme dem Fremdsprachenunterricht eine "Schlüsselrolle" zu.

Inhalte der neuen Oberstufenfächer fix, Stundenplan nicht

Wiederkehr verteidigte die Stundenstreichungen, weil man nicht ständig neue Inhalte in den Lehrplan packen könne. Die Reform sieht unter anderem vor, dass ab dem Schuljahr 2027/28  in der AHS-Oberstufe Themen wie Künstliche Intelligenz (KI), Medien- und Demokratiebildung nicht nur in allen Gegenständen integriert vorkommen, sondern eigene Fächer im Stundenplan werden, nämlich "Informatik und Künstliche Daten" sowie "Medien und Demokratie".

Ursprüngliche Informatikreform umgeworfen

Dafür hat das Ministerium seine bisherigen Informatikreformpläne umgeworfen: Das ursprüngliche Modell hätte ein gemeinsames Fach "Medien und Informatik" vorgesehen. Der derzeitige Informatikunterricht sollte um Medienbildung ergänzt und das Stundenausmaß von derzeit zwei Stunden in der fünften Klasse auf vier über die gesamte Oberstufenzeit verdoppelt werden. Nun soll Informatik über die gesamte Oberstufenzeit von zwei auf drei Stunden aufgestockt und um den Kompetenzbereich KI ergänzt werden, das neben der Nutzung auch das Wissen umfasst, wie eine KI Daten organisiert, auswertet und interpretiert. Außerdem sollen die Schülerinnen und Schüler selbst Software entwickeln, testen und verbessern und digitale Infrastukturen sowie Datenschutz kennenlernen.

Teilnahme an Medien und Gesellschaft

Als komplett neues Fach soll in der Oberstufe "Medien und Demokratie" mit zwei Wochenstunden dazukommen. Ziel des Faches ist die “kritische, aktive” Teilnahme an Medien und Gesellschaft. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, wie Medien Themen setzen, die öffentliche Meinung prägen und die Demokratie beeinflussen. Weitere Themen sind Meinungsfreiheit, Partizipation, Öffentlichkeit und die Rolle der Jugendlichen selbst. Zudem sollen die Jugendlichen eigene Medieninhalte produzieren. 

Stundentafel noch in Arbeit

Wie die insgesamt drei Stunden für "Informatik und Künstliche Intelligenz" und "Medien und Demokratie" im Stundenplan verteilt werden, steht laut Ministerium noch nicht fest. Er soll aber gut auf die Wahlpflichtgegenstände ab der 10. Schulstufe abgestimmt sein. So könnten beispielsweise in der 9. Schulstufe weiterhin zwei Stunden Informatik (ergänzt um den neuen KI-Aspekt) am Stundenplan stehen, eine weitere Stunde in der 10. Schulstufe und zwei Stunden "Medien und Demokratie" ebenfalls in der 10. Schulstufe. Diese Verteilung kann aber schulautonom geändert werden.

APA Science