Wiederkehr: Das bringen die neuen Fächer für die AHS-Oberstufe

Auf komplexe Welt vorbereiten
Jugendliche befähigen, ihr Wissen in der Gesellschaft anzuwenden und sie auf eine komplexe Welt vorzubereiten: Das sei das Ziel der Lehrplanreform an den AHS-Oberstufen, betonte Bildungsminister Wiederkehr bei der Präsentation der Reformen - der ersten großen Veränderung seit 2016. Der neue Lehrplan orientiert sich an den „21st Century Skills“ wie kritischem Denken, Kreativität, Kommunikation und Kooperation.
Zwei Wochenstunden "Medien und Demokratie"
Ein Verbot von Social Media allein reiche nicht, sagte Wiederkehr: In diesem neuen Fach sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, wie klassische Medien und Social Media Themen setzen, die öffentliche Meinung prägen und so Radikalisierung fördern oder eindämmen. Weitere Themen sind der Einfluss von Medienkonsum auf die psychische Gesundheit und die Produktion eigener Medieninhalte, aber auch demokratische Prinzipien wie Meinungsfreiheit oder Partizipation in der Schule.
Drei Wochenstunden “Informatik und KI”
Das bisherige Fach Informatik wird um den Schwerpunkt Künstliche Intelligenz ergänzt, erhält eine zusätzliche Wochenstunde und stellt digitale Kompetenzen und deren Anwendung im Mittelpunkt: von der Datenorganisation und -auswertung über Softwareentwicklung bis zu Cybersecurity und Datenschutz. Zudem geht es um das Potenzial von KI für die Gestaltung von Arbeitswelt, Alltag und öffentlichen Raum.
Geografie mit Wirtschafts- und Finanzbildung
Überarbeitet werden auch die Inhalte des Fachs Geografie und Wirtschaftsbildung, das um die Schwerpunkte Wirtschafts- und Finanzbildung ergänzt wird - ein großes Anliegen vieler junger Menschen. Neben dem Wissen um Märkte, Preisgestaltung und Globalisierung soll das erweiterte Fach auch Rechte und Pflichten als Verbraucher:innen oder Arbeitnehmer:innen vermitteln und so eine selbstbestimmte Lebensplanung begünstigen.
Inhaltliche Verschlankung
Trotz neuer Inhalte bleibt die Gesamtstundenzahl gleich - ein Wunsch der Schülerinnen und Schüler, aber auch von Eltern und Lehrkräften. Dafür werden Inhalte in vielen Fächern reduziert. Explizite Stundenkürzungen gibt es - wie berichtet - bei Latein und der Zweiten Fremdsprache von zwölf auf zehn Wochenstunden, auch eine weitere, noch festzulegende Stunde wird gekürzt, wobei Schulen weiterhin Gestaltungsspielraum haben: Sie können selbst entscheiden, ob die neue Inhalte als eigene Fächer geführt oder in bestehende Unterrichtsgegenstände integriert werden. Im Schulalltag verwenden nur rund zehn Prozent der Schulen die vom Ministerium vorgegebenen Stundentafeln.
Übergreifende Themen stärker verankert
Insgesamt 13 fächerübergreifende Themen – etwa Demokratiebildung, Digitalisierung oder Umweltbildung – werden künftig verbindlich in allen Lehrplänen verankert und nicht nur als Leitprinzipien formuliert. Isabella Zins, Vertreterin der AHS-Direktorinnen und Direktoren, lobte den konstruktiven Dialog bei den Überlegungen, welche Inhalte gestrichen werden oder dazukommen. Im Rahmen der Schulautonomie können die AHS weiterhin Schwerpunkte setzen und zum Beispiel der sprachlichen Bildung - einem Alleinstellungsmerkmal der AHS - mehr Stunden einräumen.