Kognitive Verhaltenstherapie

Ein überzeugendes Plädoyer für die Kognitive Verhaltenstherapie...

Buchtitel: Kognitive Verhaltenstherapie
AutorInnen: Craske M G
Verlag: E. Reinhardt
Erschienen: 2012

Zum Inhalt

Die Einführung weist u.a. auf leichte Differenzen, auf deutliche Parallelen und gemeinsame Anliegen der verhaltensorientierten und der kognitionsorientierten Therapien hin. Im folgenden Kapitel wird die geschichtliche Entwicklung von den Ursprüngen bis zur aktuellen Lage nachgezeichnet. Kapitel 3 skizziert die Kernkkonzepte (Klassische Kinditionierung, Instrumentelle Konditionierung, soziale Lerntheorie, kognitive Bewertungstheorie u. a. m.  Kapitel 4 befasst sich mit dem therapeutischen Prozess: Die Rolle der Beziehung (da der Rollenbegriff Personen zugeordnet ist, sollte besser von Bedeutung, Funktion der Beziehung geredet werden), die Rolle des Therapeuten/in, des Klienten/der Klientin. Kapiel 5 bringt einen Einblick in die Wirkmechanismen. Weiter auch die kognitiv Verhaltenstherapie bei kulturellen Gruppen. Kapitel 6 wirft im Zusammenhang mit einem Vorausblick auf künftige Entwicklungen die Frage ein, was wichtiger ist, die Funktion oder der Inhalt. Kapitel 7 fasst zusammen, dann folgen noch Glossar und Literaturempfehlungen.

Das Buch ist auf einem hohen Sprachstil gehalten und in einer starken Informationsdichte (sodass die Rezension nicht auf alle Aspekte eingehen kann). Dennoch gelingt es der versierten Autorin, die Unterschiede in verschiedenen Spielarten sichtbar und verstehbar zu machen, z.B. dass die Rational-emotive-Verhaltenstherapie (RET, nach Albert Ellis) sich mehr um das Was ( Gedanken, Meinungen, Vorstellungen, Überzeugungen..) und deren Auswirkungen auf das emotionale Befinden und dadurch auf das Verhalten kümmert, während der Ansatz von A. Beck sich mehr dem Wie widmet (dem Denken, den logischen Fehlern, Verzerrungen, Generalisierungen etc.).

 Was auf den ersten Blick wie eine Attacke auf die zwei tragenden Säulen der Psychotherapie wirkt (die Bedeutung der Beziehung und die Rolle des Therapeuten) erfährt eine ambivalente Beantwortung: Einerseits wird ausgeführt, dass die Zusammenarbeit zwischen Therapeuten und Patienten entscheidend ist (Seite 64:: " Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die kollaborative Natur der therapeutischen Beziehung das Wesen der KVT (Kognitiven Verhaltenstherapie) ausmacht.."), andererseits wird über minimalen Therapeutenkontakt nachgesonnen, durch  z.B. telefonische Kontakte, oder bei interaktiven Computerprogrammen, die auf Selbsthilfe abzielen. Ebenso zwiespältig offeriert sich die Frage, ob der das Bearbeiten des Inhalts wichtiger ist oder die Bearbeitung der Auswirkungen, der Funktionen, die diese Inhalte haben. Einerseits wird nicht die Bedeutung des Inhalts relativiert, sondern nur darauf hingewiesen, dass Intuition, felt sense mehr erfassen als nur den rationalen Inhaltsaspekt (Seite 140, nämlich die holistische Bedeutung 139f), andererseits wird ausgeführt, dass die kognitiv-behavioralen Therapien sich weniger mit dem Inhalt, sondern mehr mit der Funktion von Kognitionen befassen und  nicht so sehr versuchen, den Inhalt von Kognitionen bewusst zu verändern, sondern "durch Abstandnehmen oder Akzeptanz die Auswirkungen der Kognitionen auf Emotionen und Verhalten abzuschwächen." ( Seite 143). Dieser Zwiespalt ist allerdings nicht der Autorin, sondern der Forschungsentwicklung zuzuschreiben.

Ein überzeugendes Plädoyer für die Kognitive Verhaltenstherapie, von der die Autorin zu Recht am Schluss des Buches sagt: "Wandlungsfähigkeit ist ein Kennzeichen der KVT,  eines an wissenschaftlicher Empirie orientierten Behandlungsansatzes, der fortgechrieben werden wird, sobald sich neue wissenschaftliche Erkenntnisse ergeben." (Seite 157).

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
04.06.2012
Link
https://www.schule.at/bildung/rezensionen/detail/kognitive-verhaltenstherapie.html
Kostenpflichtig
nein