Störungsfreier Unterricht trotz ADHS.
Mit Schülern Selbstregulation trainieren - ein Lehrermanual.

Die drei G muss man sich merken! Gemeint ist nicht die 3. Mobilfunkgeneration, oder eine Berechnung der Gravitation, sondern es sind die Autor(inn)en Gawrilow, Guderjahn und Gold! Sie beschreiben anschaulich und verständlich ein konsequentes Programm zur schulischen Bewältigung von ADHS.

Buchtitel: Störungsfreier Unterricht trotz ADHS. Mit Schülern Selbstregulation trainieren - ein Lehrermanual.
AutorInnen: Gawrilow C , Guderjahn L u Gold A
Verlag: E. Reinhardt
Erschienen: 2013

Zum Inhalt

Die Hauptsymptome der ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung) sind Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität in verschiedenen Ausprägungsvariationen. Sekundär können sich anschließend an diese Kernsymptome weitere Symptome ausbilden, etwa Verhaltensprobleme oder familiäre Irritationen. Es gibt viele Instrumente zur diagnostischen Feststellung von ADHS. Im  auf den neuesten Stand gebrachten  Diagnosesystem DSM-5 wird die Altersgrenze des erstmaligen Symptomauftrittes auf 12 Jahre angehoben, d.h. nach relativ unauffälliger Entwicklung im Vorschulalter und in der Volksschulzeit kann es zu diesen späten Manifestationen kommen.

Ursächlich für die Störung ist einerseits ein gestörter Dopaminstoffwechsel im präfrontalen Kortex, andererseits spielen psychosoziale Faktoren und Umwelteinflüsse eine Rolle. Rund 6 - bis 10%  der Kinder sind betroffen, die Störung "wächst sich nicht aus", viele Erwachsene leiden auch unter ADHS.

Neben Medikationen werden vor allem folgende psychologisch-pädagogischen Maßnahmen immer mehr wertgeschätzt: Positive Selbstinstruktionen (Verbalisierungen begleiten die Handlungsdurchführunggen), Self-Monitoring (Kinder dokumentieren ihre Verhaltensweise, den Grad der Aufmerksamkeit im Unterricht) unterstützt mit Verstärkungsmaßnahmen,  Selbstmanagement (der betreffende Schüler und ein Lehrer schätzen unabhängig voneinander die Sorgfalt der betreffenden Handlungsweise ein und bei realistischer Übereinstimmung wird eine Verstärkung (z.B. ein Token) gegeben.

Das vorliegende Buch setzt "Wenn-Dann-Pläne" ein: Seite 50ff enthält etliche Beispiele für eine Zielsetzung und einen dazu gehörenden Wenn-Dann-Plan (z.B. und immer, wenn Lisa mich im Unterricht anspricht, dann sage ich:"Erzähle mir das in der Pause.", Seite 51)  Als Grundlage: Die inzwischen bestätigte Wirksamkeit der Überbrückung der Absichts-Verhaltenslücke (d.h. der Zeit zwischen Absicht und dementsprechendem Verhalten) durch Pläne. Die Autor(inn)en unterscheiden  Zielintentionen (Ich möchte Z erreichen) von Wenn-Dann-Plänen (Immer, wenn die Situation X eintritt, dann führe ich Handlung Y durch) (Seite 50). Noch differenzierter wäre die Darstellung der Wenn-Dann-Pläne,s wenn darauf hingewiesen würde, dass die Wenn-Dann-Pläne nicht bloß -externe s- Situationen betonen, sondern Handlungen des Kindes. D.h. immer wenn Kind X tut, dann macht es ab jetzt auch Y. Zwischen der auftrittswahrscheinlichen Handlung X und der Zielhandlung Y wird eine Kontingenz hergestellt - Kenner der Verhaltenstherapie entdecken hier sofort das 1962 formulierte  sog. Premack-Prinzip, auf das die Autor(inn)en als Fundament ihres Ansatzes in einer nächsten Auflage hinweisen könnten.

Eine gewisse Ambivalenz besteht darin, dass einerseits das Marshmallow-Experiment (entweder ein Marshmallow gleich oder zwei davon nach einer gewissen Wartezeit erhalten) die Problematik der verringerten Selbstkontrollkompetenz im Warten-Können auf spätere Belohnungen (in früherer Diktion "einen verminderten Spannungsbogen") aufweist (Seite 52), andererseits die Wenn-Dann-Pläne mit Zielen bzw. Antizipationen arbeiten, wobei Verhaltensziele noch etwas anderes sind (z.B. Ich möchte meine Hausaufgaben regelmäßig erledigen, Seite 65) als Ergebnisziele (Seite 67: Ich möchte bei der nächsten Mathematikarbeit eine bessere Note erreichen), beides sind Projektionen in die Zukunft. Hierzu könnten die Autor(nn)en noch etwas Erklärendes (wieso ist das Wenn-Dann-Planen dennoch effektiv) anführen.Gibt es Theorien, die erklären, was die Wenn-Dann-Pläne so effektiv macht?  Über die Wirkung der Wenn-dann-Pläne werden nämlich auf Seite 53 bis 58 interessante Untersuchungsergebnisse referiert: Wenn-dann-Pläne helfen beim Belohnungsaufschub, sie helfen beim mentalen Kontrastieren zwischen problemhafter Gegenwart und positiv vorgestelltem Zukunftszustand, u. v. a. m.

Das Buch ist sympathisch durch seine verständliche und dennoch auf das Wesentliche konzentrierte Darstellung des Wissens über ADHS, des (schulischen) Umgangs damit, der aktuellen Auffassung der ADHS als Selbstkontrollstörung und vor allem der Anleitung zur erfolgreichen Anwendung von Wenn-Dann-Plänen.

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
28.10.2013
Link
https://www.schule.at/bildung/rezensionen/detail/stoerungsfreier-unterricht-trotz-adhsmit-schuelern-selbstregulation-trainieren-ein-lehrermanual.html
Kostenpflichtig
nein