Lost in Migration - Kinderschutz sicherstellen!

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Tausende Kinder und Jugendliche, vor allem unbegleitete, sind nach ihrer Flucht vor Krieg und Armut in Europa "verloren gegangen"! Die Gründe sind vielfältig und oft sehr tragisch, denn für Menschenhändler sind gerade minderjährige Flüchtlinge eine höchst interessante Gruppe.

10.000 Jugendliche gehen in Europa einfach verloren


„Lost in Migration“ steht für jene unbegleiteten Kinder und Jugendlichen, die auf ihrem Fluchtweg „verschwinden“. Es steht aber auch für eine Generation von jungen Menschen mit Kriegs- und Fluchterfahrungen, die gezielte Unterstützung brauchen, damit sie in unserer Gesellschaft nicht verloren gehen. Bei der gleichnamigen Tagung von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Oberösterreich versuchten Expertinnen und Experten einerseits den Ursachen auf den Grund zu gehen und andererseits Lösungsstrategien aufzuzeigen und zu erarbeiten. Denn die Folgen für die jungen Flüchtlinge sind leider immer wieder schwerwiegend. "Wenn Migrantenkinder kommen, vorwiegend unbegleitete, [...], diese haben wenig Anknüpfungspunkte und sind natürlich sehr verletzlich - dass sie jemand abholt, ihnen was verspricht, indem sie etwas Begehen müssen, entweder sexuelle Handlungen oder Strafttaten", so Oberst Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt. "Die meisten Kinder und Jugendlichen auf ihrem Weg nach Europa verschwinden in den Erstaufnahmestellen [...] und die Gefahr ist groß, dass sie Opfer von Menschenhandel werden", beschreibt die Kinder- und Jugendanwältin Mag. Christine Winkler-Kirchberger das Grundproblem.

 

Bildquelle: Thinkstock/iStock/Route55

Mag. Astrid Winkler: Kinderschutz im Kontext von Flucht und Migration


Kinderhandel, sexuelle Ausbeutung und Gewalt gegen Kinder sind leider vor allem bei (unbegleiteten) Flüchtlingen keine Ausnahmeerscheinungen.

Mag. Astrid Winkler von ECPAT Österreich geht in ihrem Vortrag auf die Bedeutung des Kinderschutzes im Kontext von Flucht und Migration ein und welche rechtlichen Rahmenbedingungen hier zwingend einzuhalten sind. Sie stellt in diesem Zusammenhang Kinderschutzkonzepte vor und eine Checkliste, die die Mindeststandards für Kinder in Flüchtlingsunterkünften zur Prävention sexueller Gewalt sicherstellen sollen. Abschließend verweist Winkler auf eine detaillierte Handlungsanleitung zur Identifizierung von und zum Umgang mit potenziellen Opfern von Kinderhandel.

Federica Toscano: Unterstützung für vermisste Kinder


Federica Toscano ist für die Organisation "Missing Children Europe" tätig, deren Ziel es ist, Präventionsmaßnahmen zu setzen und vermisste Kinder und deren Familien zu unterstützen. Jedes Jahr fallen in Europa Tausende Kinder durch das Netz der Kinderschutzsysteme, indem sie als Folge von Konflikten, Gewalt oder Missbrauch abgängig werden. Toscano gibt zu bedenken, dass nicht annähernd bekannt ist, wie viele Kinder und Jugendliche tatsächlich abgängig sind. In ihren Ausführungen stellt die Expertin das Projekt SUMMIT vor, das die Problematik des Verschwindens von unbegleiteten Kindern in den EU-Mitgliedsstaaten behandelt und zudem Strategien und Handlungsmöglichkeiten zur Prävention gibt.

Sonja Katrina Brauner: Kinder auf der Flucht vor Krieg


Die Psychotherapeutin Sonja Katrina Brauner arbeitet seit 1987 mit Kindern, Jugendlichen und Familien in Krisensituationen und gibt in ihrem Vortrag Einblicke in die Seele von Kindern & Jugendlichen auf der Flucht. Was passiert mit Menschen, die keine Heimat haben? Wie geht es jungen Menschen, die abseits ihrer Familien und Freunde einen Neuanfang machen sollen und vor Problemen wie fremder Sprache, Kultur und Religion stehen? Brauner gibt Beispiele aus der Praxis und erläutert Reaktionsmuster, wie zum Beispiel Panik, Desorientierung, Verzweiflung, etc., die aus solchen Krisen entstehen können. Hier gilt es alle notwendigen Maßnahmen zur Stabilisierung der Betroffenen zu ergreifen! "Selbstverletzungen haben in den letzten 10 Jahren massiv zugenommen und das ist für mich erschütternd. Kleine, dünne Kinder sitzen vor mir mit aufgeschnittenen Armen und Beinen - nicht nur Flüchtlingskinder, auch österreichische Kinder. Ich frage mich, was sind wir momentan für eine Gesellschaft, dass Kinder sich wirklich den Körper aufschneiden müssen, damit sie den inneren Schmerz weniger spüren durch den äußeren Schmerz", beklagt Brauner die Situation für Kinder in Notsituationen.

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