Rituale und Routinen – entspannter unterrichten

(c) Thinkstock/iStock/Wavebreakmedia
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Christoph Eichhorn führt Sie in dieser Artikel-Serie Schritt für Schritt durch das Thema "Rituale und Routinen". Sie lernen wichtige Aspekte kennen, die unbedingt zu berücksichtigen sind, um Rituale und Routinen auch in schwierigen Klassen erfolgreich zu implementieren.

Zum Autor

Christoph Eichhorn, arbeitet als Schulpsychologe in der Schweiz mit Schwerpunkt Classroom-Management und Lernen. Er bietet auch Vorträge, Seminare und Workshops zu diesem Thema an.

Mehr dazu finden Sie auf: www.classroom-management.ch

Literatur

  • Eichhorn, C. (2015): Classroom-Management: Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten. Klett-Cotta. 8. Aufl.
  • Eichhorn, C., von Suchodoletz, A., (2014): Die Klassenregeln. Guter Unterricht mit Classroom-Management. Klett-Cotta, Stuttgart
  • Evertson, C., Weinstein, C. (2006): Handbook of Classroom Management. Research, Practice and Contemporary Issues.
  • Kounin, J. (2006): Techniken der Klassenführung. Waxmann

Abkürzungen im Text

SuSSchülerinnen und Schüler
SSchülerin oder Schüler
L

Lehrperson

KGKleingruppe

 

Entspannt unterrichten?

Als die SuS (Schülerinnen und Schüler) der 11. das Klassenzimmer betreten, schlägt ein S einem anderen auf den Rücken. Als die SuS einer 2. Klasse in den Sitzkreis wechseln, streiten sich zwei S heftig um den Platz neben ihrer L (Lehrperson). Beim Wechseln vom Sitzkreis an den Platz, nimmt eine S einer 5., den Bleistift einer Mitschülerin von deren Tisch und wirft ihn in die Luft.  Während die L einer 9. etwas Wichtiges erklärt, reden zwei S miteinander.

Übergangssituationen sind die störungsanfälligsten Situationen im Klassenzimmer. Pro Unterrichtsstunde treten zehn und oft sogar mehr dieser Situationen auf.

Wenn es der L gelingt, die dort auftretenden Störungen zu reduzieren, verringert sie damit erheblich das Ausmaß an Störungen in ihrer Klasse. Ihre Beziehung zu ihren SuS wird weniger belastet, weil sie weniger ermahnen und zurechtweisen muss. Gleichzeitig steigen ihr Ansehen und ihre positive Autorität bei ihren SuS, weil es ihr auf kompetente Weise gelingt, ein geordnetes Klassenzimmer zu etablieren. Ihre S kooperieren besser und lernen intensiver.

Wie Rituale und Routinen Sicherheit und Orientierung bieten

Rituale und Routinen machen unser Leben einfacher, geordneter und vorhersehbarer. Sie finden sich in ganz unterschiedlichen Situationen, wie z.B. wenn wir am Morgen unseren Nachbarn mit "guten Morgen" begrüßen oder verschiedene Abläufe während eines Gottesdienstes. Dabei handelt es sich um wiederkehrende, gleichförmige Prozeduren, die Situationen vorhersehbar machen und damit den Teilnehmenden Sicherheit bieten. Sie sind vor allem in Übergangssituationen, wie z.B. bei Hochzeiten oder Beerdigungen sehr bedeutsam. Stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie sind bei einer Hochzeit eingeladen, wüssten aber gar nicht, um was es geht und wie man sich dort in etwa zu verhalten hat. Schon die Frage nach der passenden Kleidung könnte zu unangenehmen Komplikationen führen, wenn man z.B. statt sich festlich anzuziehen einen Ski- oder Badeanzug wählt. Es ist auch nicht unbedingt angebracht eine flammende Wahlrede zu halten, andere Gäste zu beleidigen oder dem Bräutigam seine Braut streitig zu machen. Günstig, wenn man das weiß.

Ähnlich ergeht es SuS. Rituale und Routinen machen den Unterricht für sie vorhersehbarer und übersichtlicher.

  • Teil 1: Die Dynamik von Störungen

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    Die L ist noch nicht in der Klasse, als die SuS der 7. Klasse ins Klassenzimmer stürmen. Da versetzt Carlo seinem Mitschüler Fabio einen Schlag auf den Rücken. Ist das wirklich so schlimm? Im günstigsten Fall vergisst Fabio den Vorfall. Aber auch andere Verläufe sind denkbar. Detailansicht

  • Teil 2: Die wichtigsten Rituale und Routinen: Ruheritual

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    Die wichtigsten Rituale und Routinen sind ein Ruheritual, ein Ritual für das Betreten des Klassenzimmers, ein Ritual für den Wechsel vom Sitzkreis an den Platz und ähnliche Übergangssituationen. Konzentrieren Sie sich zunächst auf diese. Allein damit reduzieren Sie erheblich störendes Verhalten. Detailansicht

  • Teil 3: Rituale konkret: Wechsel vom Sitzkreis an den Platz

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    Gerade hat Herr Müller seinen SuS der 5. Klasse im Sitzkreis die nächste Aufgabe, die sie an ihrem Platz bearbeiten sollen, erklärt. Während die ersten S aufstehen, um zu ihrem Platz zu gehen, stellt ein S noch eine Frage. Herr Müller erklärt ihm noch einmal, was die Aufgabe beinhaltet. Detailansicht

  • Teil 4: Rituale konkret: Klassenzimmer betreten

    Erinnern Sie sich an Ihren letzten Flug, den Besuch in einem guten Restaurant oder bei sehr guten Freunden? Gerade angekommen, werden Sie mit einem freundlichen Lächeln empfangen. Man hilft Ihnen aus dem Mantel, und kümmert sich um Sie. Detailansicht

  • Teil 5: Rituale konkret: Schülerfeedback ritualisieren

    Es gibt Lehrpläne. Ja, sie enthalten wichtige Hinweise für den Unterricht. Nur: Vieles was dort steht, passt jetzt gerade gar nicht zu Ihrer aktuellen Unterrichtssituation. Vor allem wenn Ihre SuS einen Auftrag nicht verstanden haben, sich gerade langweilen oder sich in der Klasse nicht wohlfühlen. Detailansicht

  • Teil 6: Rituale konkret: Schlussphase von Kleingruppenarbeit

    Das kennt fast jede L. Die SuS arbeiten bereits einige Zeit in KG. Aber jetzt, nach einer gewissen Zeit, steigert sich ganz allmählich die Unruhe immer mehr. Viele SuS sind gar nicht mehr richtig konzentriert bei der Sache. Was jetzt? Detailansicht

  • Teil 7: Sich im Klassenteam absprechen

    Frau Peters hatte sich über eine ihrer Schülerinnen derart geärgert, dass sie noch während der Fahrt nach Hause ihre beste Freundin anrief, um sich mit ihr auszutauschen. Belastende Situationen mit anderen teilen, tut gut. Und wenn man Glück hat, erhält man sogar noch wertvolle Tipps. Detailansicht

  • Teil 8: Handlungsoptionen zurechtlegen

    Als Frau Werding mit ihrer neuen Klasse ein Ritual einübte, sagten plötzlich einige SuS, „bei Herrn Schneider (dem Vorlehrer) mussten wir das nicht alles so genau machen, wie bei Ihnen. Das ist echt mühsam jetzt.“ Andere nickten zustimmend. Detailansicht

  • Teil 9: Mentale Emotionsregulation

    Jede L hat Emotionen. Neben vielen schönen Momenten und Freuden, die der Beruf mit sich bringt, sind Ärger, Kränkungen und Enttäuschungen auch fester Bestandteil von ihm – und werden es immer sein. Mentale Emotionsregulation zielt darauf ab, diese positiv zu beeinflussen. Detailansicht

  • Teil 10: Rituale Üben

    Wenn eine L wirklich möchte, dass ihre SuS Rituale einhalten, dann muss sie die Rituale einüben. Dies ist besonders in schwierigen Klassen notwendig. Beim Üben eines Rituals gelten dieselben Regeln wie für Lernprozesse. Detailansicht

  • Teil 11: Rituale konkret: Carlos schert aus

    Frau Schneider übt mit ihrer Klasse das Klatschritual. Aber nach dem zweiten Üben weigert sich Carlos weiter mitzumachen. Provozierend ruft der 15-jährige laut in die Klasse, „was soll der Quatsch!“ Was jetzt? Wie Frau Schneider den drohenden Machtkampf gekonnt umschifft, zeigt Ihnen dieses Kapitel. Detailansicht

  • Teil 12: Rituale konkret: Positiv kommunizieren

    Frau Graf hat gerade das Ritual "Wechsel vom Sitzkreis an den Platz" erklärt und sagt jetzt zu ihrer 5. Klasse: "Wir üben es gleich mal ein." Nehmen wir an, sie hat das jetzt schon zweimal geübt – es klappt aber immer noch nicht. Was jetzt? Detailansicht

  • Teil 13: Rituale konkret: Auf genaue Einhaltung bestehen

    Angenommen, beim Üben eines Rituals haben die Schüler einer 3. Klasse das Ziel schon weitgehend erreicht. Aber noch nicht ganz. Detailansicht

  • Teil 14: Rituale konkret: Oppositionelle SuS einbeziehen

    Im Rahmen einer Lehrpersonenberatung bespreche ich mit einer Lehrperson im Detail ein Ritual. Da sagt die L.: „Das Ritual finde ich gut – aber ich weiß jetzt schon ganz genau, dass sich zwei meiner S weigern, mitzumachen.“ Was jetzt? Detailansicht

  • Teil 15: Rituale und Routinen attraktiv machen

    Gerade hat Frau Kluge ihren SuS das neue Ritual erklärt. Jetzt sagt sie, „ich bin schon gespannt, wer es von euch schon kann und vormachen möchte“. Einige Schüler melden sich. Frau Kluge zögert absichtlich ein bisschen. Sie will es damit ein bisschen spannend machen. Detailansicht

  • Teil 16: Positiv starten

    Stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie kommen morgens gerade in die Schule und betreten das Lehrerzimmer. Da begrüßt Sie freudig Ihr Schulleiter oder einige Ihrer Kolleginnen und Kollegen und sagen zu Ihnen, „also Julian, was du gestern mit deiner Klasse geleistet hast, war richtig klasse." Detailansicht

  • Teil 17: Rituale filmen

    Videos sind ein Renner bei jungen Menschen. Diese Begeisterung können Sie nutzen, indem Sie in Ihrem Unterricht mit den Medien arbeiten, die bei Ihren SuS „in“ sind. Und Ihre SuS werden bedeutend besser mitmachen. Darauf geht dieses Kapitel ein. Detailansicht

  • Teil 18: Rituale langfristig festigen

    Es hatte perfekt geklappt. Frau Graf hatte das Ritual „Wechsel vom Sitzkreis an den Platz“ eingeführt und ihre Sechstklässler hielten es richtig gut ein. Sie war zufrieden mit sich und dachte, „prima gemacht“. Detailansicht

  • Teil 19: Fazit

    Rituale und Routinen sind eine der besten Möglichkeiten, um zu einem geordneten Klassenzimmer zu kommen, eine gute Beziehung zu den SuS, durch die Reduktion von Störungen, aufzubauen und ein gutes Klima im Klassenzimmer zu etablieren. Detailansicht

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