Welche Zukunft wollen wir?

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Die digitale Evolution schreitet mit einem rasanten Tempo voran. Hat sich etwa die Generation "Y" noch mit den Anfängen des Internets befasst, zählen die Kinder ab dem Milleniumsjahr bereits zu den sogenannten "digital natives". Trendforscher sehen den zügigen Fortschritt des Digitalen kritisch.


Der Megatrend Effekt: Den Wandel verstehen, um Zukunft zu gestalten

Alexa, Siri und Co. sind auch in Österreich bereits in die heimischen Wohnzimmer eingezogen.  Die intelligenten Maschinen werden aber von vielen auch skeptisch betrachtet. Trotz wachsender Produktionsrate nutzen laut Statistik Austria erst 10% der heimischen Privathaushalte die internetgesteuerten Elektrogeräte. Einer, der die rasante Entwicklung im Technologiesektor kritisch betrachtet, ist der Trendforscher und Geschäftsführer des Zukunftsinstitutes Österreich, Harry Gatterer. Seiner Meinung nach beeinflussen uns die intelligenten Maschinen in unserer Zukunftsgestaltung.

Nehmen wir an, Siri errechnet aufgrund ihrer Lieblingsfarbe und eines bestimmten Algorithmus, dass Mexiko Ihnen gefallen würde und schlägt Ihnen deshalb gleich eine Reise dorthin vor. In diesem Moment greift die künstliche Intelligenz in Ihre Zukunft ein, andere Möglichkeiten werden somit ausgeschlossen.

Dabei sei es laut Gatterer für das menschliche Wohlbefinden äußerst wichtig, sich die Zukunft als Denkraum mehrerer möglicher Zukünfte offen zu halten. Bedenklich findet der Trendforscher aber vor allem die Geschwindigkeit, mit welcher sich die sogenannten „Megatrends“ unserer Zeit entwickeln. Als Beispiel nennt Gatterer die Smartphone-Technologie:


"Auch wenn wir am Handy ständig chatten und tausend Dinge tun, fehlt dabei das Denken.“

Gatterer kritisiert hier vor allem die rasant steigende Anzahl an neuen, innovativen Produkten und Ideen. „Planen macht Menschen glücklich, deshalb schaffen wir ständig Neues, in Zeiten der Digitalisierung auch oft Lösungen für Probleme, die wir vorher eigentlich gar nicht hatten.“ Sein Plädoyer für die Zukunft ist daher, sich langsam mit dem Künftigen auseinander zu setzen, sich genau zu überlegen, welche Bedürfnisse die Menschen tatsächlich haben. Im Jahr 2018 führte die Bertelsmann-Stiftung eine europaweite Umfrage durch, in welcher zwei Drittel der Befragten zustimmten, dass früher alles besser war als heutzutage. Die weltweit steigende Beliebtheit von Bibliotheken ist ein Beispiel dafür, meint der Geschäftsführer des Zukunftsinstitutes Österreich.

Die Zukunftsentwicklung liegt nicht in noch mehr Innovationen, sondern im Gegentrend. Die Menschen sehnen sich nach realen Begegnungen und nach Greifbarem. Stichwort: Sich wieder als Menschen erleben!“ , so Harry Gatterer.

Der Vortrag wurde im Rahmen des Zukunftssymposiums der Zukunftsakademie Oberösterreich am 19. November 2019 aufgezeichnet.